Fisch auf dem Tisch – Die Teichwirtschaft als Einkommensquelle

Druckversion

Zahlreiche Fischteiche wurden im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit angelegt. Der 'Renner' unter den Fischen war der Karpfen.

Für KlosterinsassInnen war Fisch eine bevorzugte Speise. Seit dem 15. Jahrhundert ergänzten auch die StadtbewohnerInnen ihren Speisezettel immer mehr mit Fischen, vor allem mit Karpfen. Dies hing zum Teil mit der Verschärfung der Fastengebote zusammen, die den Fleischverzehr zu bestimmten Zeiten untersagten. Laut den Rechnungsbüchern einer niederösterreichischen Herrschaft waren Mitte des 15. Jahrhunderts die Ausgaben für Nahrungsmittel zu Fastenzeiten dreimal so hoch wie in ‚regulären‘ Speisezeiten. Das resultierte auch aus dem hohen Anteil an Fischspeisen, die vergleichsweise teuer waren.

Dass die Zahl der Teiche am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit stark zunahm, lag zum einen an den geänderten Essgewohnheiten der Oberschichten. Zum anderen versuchten die Grundherren, die Rückgänge der Feudalrente durch den Verkauf von Fisch zu kompensieren bzw. abzumildern. Teilweise spezialisierten sich ganze Herrschaften auf die Fischzucht und die Teichwirtschaft, die größtenteils von LohnarbeiterInnen bewerkstelligt wurde. In manchen Herrschaften nahmen die Teiche eine Fläche von rund 300 Hektar ein – das entspricht einer Größenordnung von über 400 Fußballfeldern. Teiche, die aus Bächen oder Flüssen gespeist wurden, konnten kontinuierlicher genutzt werden als solche, die durch Regen- oder Schmelzwasser gefüllt wurden und in trockenen Perioden häufig verödeten.

Obwohl das Anlegen und die Instandhaltung der Teiche teuer waren, rechneten die Grundherren mit Gewinnen, weil die Händler die Transportkosten übernahmen und die Preise relativ hoch lagen. Kostspielig gestaltete sich der Ankauf der Brut, weshalb Teiche, in denen Fische selbst gezüchtet wurden,  höhere Erträge abwarfen. Insgesamt war die Teichwirtschaft stark abhängig von der Nachfrage bzw. dem Preisverlauf, von klimatischen Voraussetzungen und von politischen Rahmenbedingungen. Im Dreißigjährigen Krieg kam es zu einem starken Rückgang der grundherrschaftlichen Fischzucht.

Christina Linsboth