Vermählungsanzeige anlässlich der Hochzeit von Franz Joseph und Elisabeth, 1854

Krepp / Prückl: Das junge Kaiserpaar Franz Joseph und Elisabeth in einer Loge, 1855

Ludwig Angerer: Die Allerhöchste Kaiserfamilie, Fotografie, 1859

Elisabeth und Franz Joseph: Hochzeit und Ehe

Vermählungsanzeige anlässlich der Hochzeit von Franz Joseph und Elisabeth, 1854

Krepp / Prückl: Das junge Kaiserpaar Franz Joseph und Elisabeth in einer Loge, 1855

Ludwig Angerer: Die Allerhöchste Kaiserfamilie, Fotografie, 1859

Als man am Wiener Hof eine passende Braut für den jungen Kaiser Franz Joseph suchte, sah Erzherzogin Sophie in den Töchtern ihrer Schwester Maria Ludovika ein willkommenes Reservoir an Heiratskandidatinnen.

Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.

Elisabeth über die Ehe; zitiert nach: Hamann, Brigitte: Elisabeth. Kaiserin wider Willen, München 1981, S. 85

Vermählungsanzeige anlässlich der Hochzeit von Franz Joseph und Elisabeth, 1854

Krepp / Prückl: Das junge Kaiserpaar Franz Joseph und Elisabeth in einer Loge, 1855

Ludwig Angerer: Die Allerhöchste Kaiserfamilie, Fotografie, 1859

Zunächst war dafür die älteste Tochter Helene, genannt Néné (1834–1890), ausersehen. Beim arrangierten Treffen in Bad Ischl Im Sommer 1853 verliebte sich Franz Joseph jedoch in die als Begleitung mitreisende jüngere Schwester Elisabeth, die damals noch nicht einmal 16 Jahre alt war.

Die Hochzeit fand am 24. April 1854 in Wien statt, nachdem die junge Kaiserbraut im „Schnellsiedekurs“ auf ihre zukünftige Rolle vorbereitet worden war. Elisabeth war in den ersten Ehejahren von ihrer ungewohnten Stellung als Kaiserin überfordert. Sie hatte Schwierigkeiten sich in das äußerst konservative und von strengen Konventionen geprägte Leben am Wiener Hof einzugewöhnen, wo ihr keine Privatsphäre zugestanden wurde. Die hochintelligente, sensible und auf die Äußerlichkeiten der Etikette wenig Wert legende junge Elisabeth entsprach nicht den Erwartungen, die man in der Hofgesellschaft an eine Kaiserin stellte. Die ersten Jahre der Ehe waren für Elisabeth eine traumatische Erfahrung, die den Grundstein für ihre zunehmende Entfremdung vom Leben des Wiener Hofes bildete.

Sie selbst sah sich auf die Rolle einer Gebärmaschine reduziert, die möglichst rasch zahlreichen, gesunden und vorzugsweise männlichen Nachwuchs produzieren sollte. Die junge Kaiserin gebar in rascher Abfolge drei Kinder: Zunächst kamen mit Sophie (geb. 1855)  und Gisela (geb. 1856)  zwei Mädchen zur Welt, 1858 folgte endlich der ersehnte Sohn Rudolf. Mit 21 Jahren war Sisi bereits dreifache Mutter.

Elisabeths Beziehung zu ihren ersten drei Kindern war zeitlebens schwierig, da ihr wenig Möglichkeit gegeben wurde, sich als Mutter intensiver um die Erziehung zu kümmern. Der Grund dafür lag einerseits darin, dass Erzherzogin Sophie ihre Schwiegertochter als zu unreif und der Aufgabe nicht gewachsen ansah. Andererseits war es in der höfischen Gesellschaft nicht üblich, dass sich die kaiserlichen Mütter allzu eingehend mit der Erziehung ihres Nachwuchses kümmerten, da dieser eigens dafür bestellten Erziehern und Gouvernanten anvertraut wurde.

Elisabeths Reaktion darauf war eine Phase der Erschöpfung und Depression, die auch durch den frühen Tod der ersten Tochter Sophie, die 1857 mit nicht einmal 2 Jahren verstarb, verstärkt wurde.

Sie fand auch in ihrem Gatten Franz Joseph, der durch Loyalitätskonflikte zwischen seiner Mutter und seiner Frau hin und her gerissen war, wenig Unterstützung. Franz Joseph war seit frühester Kindheit auf die Rolle als Monarch vorbereitet worden und zeigte wenig Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Bedürfnisse und Ängste seiner jungen Gemahlin.

Martin Mutschlechner