Auf Spurensuche: Kaiserin Elisabeth

"Als sie wiederkam!", Ankunft der verstorbenen Elisabeth aus Genf, Postkarte, 1898

Die enorme Popularität, die die Person der Kaiserin erfahren hat, entstand erst posthum dank der medialen Auseinandersetzung mit ihrer Biografie. In den letzten Jahrzehnten steigerte sich das Interesse am Schicksal Elisabeths zuweilen zu einem regelrechten „Sisi-Kult“.

"Als sie wiederkam!", Ankunft der verstorbenen Elisabeth aus Genf, Postkarte, 1898

Die Beschäftigung mit der Biografie Elisabeths, die sich bestens für eine Darstellung mit den Mitteln der Unterhaltungsindustrie eignet, reichen bereits in das Stummfilmzeitalter zurück. Der Grundstein für die internationale Popularität wurde jedoch mit der „Sissi“-Filmtrilogie von Ernst Marischka mit der jungen Schauspielerin Romy Schneider in der Rolle der Elisabeth gelegt. Die Kunstfigur „Elisabeth“ ist heute ein Phänomen der Popkultur und begegnet uns in Form von Musicals, Souvenirartikeln und in einer unüberschaubaren Masse an populärwissenschaftlicher Literatur. „Elisabeth“ ist zu einer wichtigen touristischen Marke geworden und gilt heute als das weltweit bekanntestes Mitglied der Habsburger-Dynastie: Sisi, die „Kaiserin wider Willen“, wurde so gegen ihren Willen zum Aushängeschild des Habsburg-Tourismus.

Die beste Möglichkeit, der wahren Persönlichkeit Elisabeths näher zu kommen, hat man in den Kaiserappartements in der Wiener Hofburg: Hier hat sich die Wohnung Elisabeths erhalten, die in den letzten Jahren detailgetreu nach zeitgenössischen Fotografien rekonstruiert und in den ursprünglichen Zustand der Bewohnung zurückversetzt worden ist. Daran angeschlossen ist das Sisi-Museum, das sich nicht nur mit der Biografie der Kaiserin, sondern auch mit der Entstehung des Mythos „Sisi“ auseinandersetzt.

Einem interessanten Ansatz, das Weiterleben der Kaiserin als Kunstfigur „Sissi“ zu thematisieren, begegnet man im Hofmobiliendepot – Möbelmuseum Wien, wo Originalmöbel aus dem Besitz des Kaiserhauses ausgestellt sind, die als Ausstattungsobjekte in den „Sissi“-Filmen zu sehen waren: Die Möbel werden dabei den betreffenden Szenen aus den Filmen gegenübergestellt.

In Schloss Schönbrunn, zu dem Elisabeth ein eher gespanntes Verhältnis hatte, erinnern ebenfalls zahlreiche Spuren an die Anwesenheit der Kaiserin. BesucherInnen steht ihr zum Teil rekonstruiertes Appartement zur Besichtigung offen, und man kann im Hietzinger Kammergarten entlang der ehemaligen Reitbahn der Pferdenärrin spazieren. Versteckt und im Allgemeinen nicht öffentlich zugänglich ist die Kammermeierei, wo Elisabeth spezielle Milchkühe hielt, die der ernährungsbewussten Kaiserin Molkereiprodukte erster Qualität lieferten.

Einen ebenfalls authentischen Eindruck vom Leben der Kaiserin erhält man in der Kaiservilla in Bad Ischl, dem traditionellen Sommersitz der Familie, wo Elisabeths Wohnräume und etliche Erinnerungsstücke erhalten sind.

Ein weiterer Erinnerungsort an die populäre Kaiserin ist die Hermesvilla am westlichen Stadtrand von Wien: Die feudale Villa, die Franz Joseph inmitten der grünen Waldlandschaft des Lainzer Tiergartens errichten ließ, um seiner sich nach Ruhe und Einsamkeit sehnenden Gemahlin in der Nähe Wiens eine Bleibe zu geben, steht in der Verwaltung des Wien Museums und ist Schauplatz von wechselnden Ausstellungen.

In Bayern, dem Geburtsland Elisabeths, gestaltet sich die Spurensuche etwas schwieriger: Elisabeths Elternhaus in München, das Herzog-Max-Palais, wurde 1937/38 auf Geheiß Hitlers abgebrochen und durch ein Bankgebäude ersetzt. Sisis geliebtes Schloss Possenhofen wurde nach Jahrzehnten der Verwahrlosung in den 1980er Jahren in eine luxuriöse Eigentumswohnanlage umgewandelt und ist nicht mehr in der ursprünglichen Gestalt erhalten.

In Ungarn, der „Herzensheimat“ Elisabeths erinnert v. a. Schloss Gödöllö bei Budapest an die enge Verbundenheit der Kaiserin-Königin. Das Schloss wurde, nachdem es lange Zeit als Kaserne einer militärischen Nutzung unterworfen war, in den 1990er Jahren aufwendig restauriert.

Elisabeths Appartement in der Burg von Buda ist leider ebenso im Zweiten Weltkrieg zerstört worden wie das „Königin-Elisabeth-Gedächtnismuseum“, das bereits 1908 im Andenken an die beliebte Erzsebet királyné (ungarisch für: Königin Elisabeth) in der ungarischen Königsresidenz eingerichtet wurde.

Ebenfalls nur mehr teilweise im Originalzustand erhalten ist das „Traumschloss“ Elisabeths, das Achilleion auf Korfu: Nachdem Elisabeth das Interesse an dem unter enormen Kostenaufwand errichteten Bau im antiken Stil verloren hatte, wurde das Achilleion 1907 an den deutschen Kaiser Wilhelm II. verkauft. Es beherbergt heute u. a. ein kleines Museum im Andenken an Elisabeth.

Martin Mutschlechner