Dies Bildnis ist bezaubernd schön – Porträtmalerei als Einnahmequelle

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Im 18. Jahrhundert nahm die Nachfrage nach Porträtbildern enorm zu. Nicht mehr soziale, sondern allein ökonomische Bedingungen bestimmten die ,Porträtwürdigkeit‘ einer Person.

Es ist so weit gekommen, daß sich die Maler und Bildhauer kaum das Brot verdienen können. Der Hof läßt nichts machen, Kirchen und Klöster dürfen nicht. Der Adel hat entweder keinen Geschmack und Lust zu dergleichen Kunstsachen oder zu wenig Geld. […] Die Eitelkeit der Menschen allein nähret noch mit Portraiten die Maler und teils die Bildhauer.

Der Direktor der Wiener Akademie Johann Heinrich Füger zeigte sich 1788 über den Auftragsmangel besorgt – seine Klage wurde an Staatskanzler Fürst Kaunitz weitergeleitet.

Die Bildproduktion folgte der neuen Nachfrage, immer mehr Porträtmaler bevölkerten den Markt. Mannigfache Techniken kamen – entsprechend der Geldbörse – zum Einsatz: Schattenriss oder Silhouette, Miniaturbildnis, Pastell, Federzeichnung, Scherenschnitt, Skulpturen oder das althergebrachte Ölbild. Porträtsammlungen, ursprünglich ein Privileg des Adels, fanden ab dem Ende des 17. Jahrhunderts auch bei bürgerlichen SammlerInnen weite Verbreitung. Doch blieb diese ,Demokratisierung‘ des Mediums nicht unkommentiert: Zeitgenossen bekrittelten die aus Frankreich importierte Porträtmode, welche die Gefallsucht der Frau bediene, ebenso wie die Praxis der Porträtisten, nur das Gesicht selbst zu malen, Kleidung und Draperie jedoch der Werkstatt zu überlassen.

Die Malerwerkstätten funktionierten arbeitsteilig, Porträts konnten von der Stange geliefert werden: Kopisten fertigten Duplikate berühmter Porträts an, Ausstattungsmaler lieferten dekorative Details, weitere Spezialisten waren allein für die Abbildung von Händen oder Dekolletés zuständig. Musterbücher boten Vorlagen, die von den KundInnen ausgewählt wurden und in welche nur noch die entsprechenden Gesichter eingesetzt werden mussten.

Die allgemeine Auftragslage für Künstler war dennoch schlecht. Porträtisten hingegen verdienten gut. Deshalb wechselten immer mehr Maler in dieses Fach. Die Konkurrenz nahm zu, die Qualität der Bilder ab. Da er pro Bildnis nur einen halben Reichsthaler verdiente, soll der Maler Johann Kupetzky an einem Tag neun Papstköpfe geschaffen haben, um seine Einkünfte zu erhöhen.

Kritiker wie Joseph von Sonnenfels verurteilten dieses Vorgehen, sowohl der Porträtmaler, die nur auf Geld aus seien und nicht auf künstlerischen Fortschritt, als auch der AuftraggeberInnen, die eine bloße Nachahmung und Ähnlichkeit anstrebten. Eine Lösung sah Sonnenfels allein in einer Erziehung zu besserem Geschmack.

Julia Teresa Friehs