Untergang und Neubeginn

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Der Erste Weltkrieg bedeutete den Untergang der Donaumonarchie – und damit den Abschied der Habsburger nach Jahrhunderten an der Macht.

Die einen trauerten um ein versunkenes Reich, die anderen träumten vom Aufgehen in einem neuen Reich aller Deutschen, und in der Mitte befand sich nichts.

Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky in seinen Memoiren "Zwischen den Zeiten"

Am 21. November 1916, inmitten des Ersten Weltkrieges, starb Kaiser Franz Joseph nach 68 Jahren Regentschaft in Schönbrunn. Sein Tod symbolisierte den Untergang der jahrhundertealten Habsburgermonarchie, wie die Stimmung seiner Begräbnisfeierlichkeiten zeigte. Dem hoch betagten Kaiser folgte sein junger und unerfahrener Großneffe Karl I. nach, der den Infarkt der Monarchie jedoch nicht mehr aufhalten konnte.

Im Oktober und November 1918 löste sich die Donaumonarchie auf – neue Nationalstaaten wurden ausgerufen, Waffenstillstände abgeschlossen. Viele Menschen in den ehemals habsburgisch beherrschten Gebieten empfanden das Abtreten der Machthaber als Befreiung. In Prag etwa riefen die Menschen am 28. Oktober 1918, dem Gründungstag der ersten Tschechoslowakischen Republik und heutigen tschechischen Staatsfeiertag: „Der Krieg ist aus, Österreich ist zerschlagen, wir sind frei, wir haben unseren Staat, unsere Republik!“

Die Friedensverträge in verschiedenen Vororten von Paris regelten im Frühjahr 1919 das weitere Schicksal der Nachfolgestaaten der Habsburgermonarchie. Zwei davon, nämlich Österreich und Ungarn, wurden die Rechtsnachfolger der Monarchie. Ihnen wurde auch die Schuld am Krieg zugesprochen. In den Friedensverträgen von St. Germain (für Österreich) und von Trianon (für Ungarn) wurden die massiven Gebietsverluste festgeschrieben. Das ehemalige riesige habsburgische Vielvölkerreich war damit in viele kleine Einheiten zerteilt. Für die Geschichte Österreichs und der anderen Gebiete begannen neue Abschnitte, in denen die Dynastie der Habsburger keine Rolle mehr als Herrscher spielte.

Stephan Gruber