Das fatale Attentat von Sarajevo

Druckversion

Den bisher einzigen katholischen Präsidenten der USA und einen habsburgischen Thronfolger ereilte dasselbe Schicksal: Sowohl John F. Kennedy als auch Franz Ferdinand wurden während einer Autofahrt erschossen.

„Das Attentat von Sarajewo. Die Ermordung des Thronfolgers und seiner Gemahlin“ – so lautete die Schlagzeile auf dem Titelblatt der Illustrierten Kronen-Zeitung am 30. Juni 1914. Zwei Tage zuvor war der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo erschossen worden.

Erzherzog Franz Ferdinand, der 1863 geborene Neffe von Franz Joseph I., war nach dem Selbstmord von Kronprinz Rudolf und offiziell nach dem Tod seines Vaters Karl Ludwig 1896 zum Thronfolger geworden. Kennzeichnend waren seine klerikal-konservative Einstellung, sein massiver Antisemitismus und seine Abneigung gegen die Ungarn. Mit Sorge beobachtete er vor allem die Entwicklungen am Balkan. Serbien sah in dem „südslawenfreundlichen“ Thronfolger Franz Ferdinand eine Gefahr für seine großserbischen Pläne.

Am 28. Juni 1914 vertrat Franz Ferdinand den Kaiser bei einem Manöver und einer Parade in der bosnischen Stadt Sarajevo. Dieses Datum, der so genannte „Vidovdan“ (deutsch „Sankt-Veit-Tag“), war – und ist – besonders sensibel, es ist der Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld zwischen Osmanen und Serben 1389, ein nationaler Trauertag der Serben. Unterschiedliche Gruppen von Attentätern warteten an diesem Tag auf Franz Ferdinand: Schon am Vormittag verletzte eine Bombe den Adjutanten des Thronfolgers. Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie wurden danach auf dem Weg zum Spital, in dem der Adjutant versorgt wurde, von Gavrilo Princip erschossen. Dieser war in Serbien zum Attentäter ausgebildet worden. Blutspuren auf der Uniform des Erzherzogs zeugen noch heute von dem tödlichen Attentat.

Obwohl keine Beweise für eine Mitwisserschaft der serbischen Regierung an der Planung des Attentates erbracht werden konnten, so schien diese doch wahrscheinlich: In der Donaumonarchie wurde die Kriegspropaganda in Gang gesetzt, an die serbische Regierung wurde ein scharfes Ultimatum abgesendet, das nicht erfüllt wurde. Die europaweit geschlossenen Bündnisse führten dazu, dass der Erste Weltkrieg begann. Franz Ferdinands Machtdemonstration in Form einer Militärparade endete somit nicht nur mit seinem eigenen Tod, sondern wurde zum Anlass eines Krieges, der zehn Millionen Menschen das Leben kosten sollte.

Stephan Gruber