1486–1618

Habsburgs Bruderzwist: Rudolf II. gegen Matthias

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Zwei Brüder stritten um die Kaiserkrone – das bessere Ende hatte der Jüngere für sich.

Nicht Kaiser bin ich mehr, ich bin ein Mensch
Und will mich laben an dem Allgemeinen.
Wie wohl, wie gut! Und unter mir die Stadt
Mit ihren Straßen, Plätzen, voll von Menschen.

Franz Grillparzers Rudolf II. nach seiner Entmachtung im Trauerspiel "Ein Bruderzwist in Habsburg"

Rudolf II., Sohn und Nachfolger von Maximilian II., wurde in Spanien zum Herrscher erzogen. Bald nach seinem Regierungsantritt verlegte er seine Residenz von Wien nach Prag, das zum politischen und kulturellen Zentrum ausgebaut wurde. Rudolf legte bedeutende Kunstsammlungen an und förderte die Wissenschaften, etwa den Astronomen Johannes Kepler. Seine Regentschaft wurde von der Gegenreformation und dem Krieg gegen die Osmanen bestimmt, den Rudolfs Propaganda als „Strafe Gottes“ deutete und zum Kampf gegen die „Ungläubigen“ erklärte. Der Kaiser litt an einer psychischen Erkrankung, die ihn im Verlauf seiner Regentschaft zunehmend reizbar, passiv und schließlich regierungsunfähig werden ließ.

Unter Rudolfs Brüdern, die sich mit weniger bedeutenden Positionen abfinden mussten, ragte der ehrgeizige Matthias hervor. Zwischen den beiden kam es zum habsburgischen „Bruderzwist“: Matthias war nur fünf Jahre jünger als Rudolf und hatte deshalb wenig Aussicht, selbst Kaiser zu werden. Er strebte zunächst eine Machtposition als Statthalter in den Niederlanden an, scheiterte dort aber bald. Nach seiner Rückkehr nach Österreich drehten sich die zunehmenden Konflikte zwischen den Brüdern vor allem um die Nachfolgeregelung des zukünftigen Herrschers: Mangels Eheschließung hatte Rudolf keine legitimen Kinder, die dafür in Frage gekommen wären.

Matthias wollte Rudolf entmachten, den Plan dazu arbeitete der berüchtigte Gegenreformator Melchior Khlesl aus: 1606 verbündeten sich die Erzherzoge um Matthias gegen den Kaiser und bestimmten Matthias zum Familienoberhaupt. Am Ende des langen Türkenkrieges zwischen 1592 und 1606 schloss Matthias Friedensverträge, die Rudolf nicht hinnehmen wollte. Außerdem weigerte er sich, Matthias zu seinem Nachfolger zu bestimmen. Schließlich zog Matthias 1611 triumphierend in Prag ein, nahm Rudolf in dessen eigener Residenz im Hradschin gefangen und ließ sich zum böhmischen König wählen. Rudolf war nun ein Kaiser ohne Land, sein Tod 1612 beendete den Bruderzwist endgültig zugunsten von Matthias. Doch als Kaiser hatte Matthias eine schwache Position. Der Streit zwischen den Brüdern hatte vor allem die protestantischen Stände gestärkt. Die religiös-politische Situation hatte sich immer mehr zugespitzt und steuerte auf eine große militärische Auseinandersetzung hin: Der Dreißigjährige Krieg brachte Zerstörungen und Leid in weiten Teilen Mitteleuropas.

Stephan Gruber