1486–1618

Wo die Sonne nie unterging: Das Weltreich Karls V.

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Mit Besitzungen in Europa und in Amerika verfügte Kaiser Karl V. über riesige Gebiete und großen Reichtum. Unter seiner Herrschaft kam es zur Teilung der Habsburger in die spanische und die österreichische Linie.

Große Hoffnungen hatte ich – nur wenige haben sich erfüllt, und nur wenige bleiben mir: und um den Preis welcher Mühen! Das hat mich schließlich müde und krank gemacht.

Karl V. in seiner Abdankungserklärung

Karl V. war einer der bedeutendsten europäischen Herrscher am Beginn der Neuzeit. Er hatte große Ansprüche, erbte gewaltige Gebiete und kam durch die Entdeckungen auf den amerikanischen Kontinenten zu finanziellen Mitteln in riesigem Ausmaß. Er unternahm zahlreiche strapaziöse Reisen in die von ihm beherrschten europäischen Gebiete und sprach mehrere Sprachen, konnte aber nur wenig Deutsch. Mit 17 Jahren kam Karl nach Spanien an den Hof von Madrid, um dort sein Erbe als König anzutreten. 1516 traf er bei seiner Ankunft erstmals seinen jüngeren Bruder Ferdinand, den die Spanier eigentlich als Thronfolger bevorzugt hatten.

Nach dem Tod seines Großvaters Maximilian I. wurde Karl zum römisch-deutschen König gewählt: Mit kräftiger finanzieller Unterstützung durch die Fugger konnte er bei dieser Wahl den Schmiergeldzahlungen seines größten Konkurrenten Franz I., König von Frankreich, ausreichende Mittel entgegensetzen. 1520 nahm er den Titel „erwählter Kaiser“ an. Seine Krönung 1530 sollte die letzte für einen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches sein. Karls Bruder Ferdinand erhielt die österreichischen Gebiete und wurde sein Statthalter im Heiligen Römischen Reich. Damit schufen die beiden Brüder die Grundlage für die Teilung der Habsburger in die österreichische und die spanische Linie.

Karl war wie die meisten seiner Familienmitglieder sehr religiös, er träumte von einer vereinten Christenheit. Doch die Entwicklung der Zeit lief in eine andere Richtung: Die Reformation breitete sich aus. 1521 verhängte Karl mit dem Wormser Edikt die Reichsacht über den führenden Reformator Martin Luther. Mit der Eröffnung des Konzils von Trient 1545 begann die Gegenreformation: Zwar konnte Karl einen kurzfristigen Erfolg im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 gegen einen Bund protestantischer Fürsten erzielen, 1555 musste er aber im Augsburger Religionsfrieden weitreichende Zugeständnisse an die Protestanten machen.

Nicht nur religiöse Konflikte bestimmten die Politik Karls V., auch äußere Feinde mussten bekämpft werden: Kriege gegen Frankreich und das Osmanische Reich prägten große Teile seiner Herrschaftszeit. Finanzieren konnte Karl diese Kriege durch die Gold- und Silberlieferungen aus den Eroberungen in Amerika.

Karl resignierte schließlich 1556: In Spanien dankte er zugunsten seines Sohnes Philipp II. ab, im Heiligen Römischen Reich folgte sein Bruder Ferdinand I. als Kaiser nach.

Stephan Gruber