1486–1618

Sympathie für Protestanten: Maximilian II.

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Die habsburgischen Kaiser waren allesamt streng katholisch – mit einer Ausnahme: Maximilian II. war den Anliegen der Protestanten nicht abgeneigt.

Ich bin weder ein Papist noch ein Evangelischer, sondern ein Christ.

Kaiser Maximilian II.

Maximilian II. ragt unter den katholischen habsburgischen Herrschern als Sonderfall heraus: Er war schon als Jugendlicher in Religionsfragen auf Entspannung bedacht und liebäugelte mit dem Protestantismus. Sein Vater, die spanischen Verwandten und der Papst wurden misstrauisch. Daher wurde er mit seiner strenggläubigen spanischen Cousine Maria verheiratet und nach Spanien geschickt. Offiziell blieb er der katholischen Kirche zwar sein Leben lang treu, vor seinem Tod 1576 verweigerte er aber, die Sterbesakramente zu empfangen.

Eigentlich sollte nach Ferdinand I. der Spanier Philipp II., Sohn Karls V., als Kaiser folgen. Unter Philipp II. erreichten die spanischen Habsburger den Höhepunkt ihrer Weltmacht. Doch auf die Kaiserwürde musste Philipp verzichten – die Fürsten des Heiligen Römischen Reiches, die zum Teil protestantisch waren, akzeptierten keinen Spanier als Kaiser. Ihnen war ein Österreicher lieber, den sie wegen der geografischen Nähe besser unter Kontrolle zu haben meinten. Daher war der Weg frei für Maximilian: 1562 wurde er zum römisch-deutschen König gewählt und folgte seinem Vater Ferdinand I. nach dessen Tod als Kaiser nach. Vor seiner Wahl hatte er einen Eid ablegen müssen, katholisch zu bleiben. Maximilian II. war bemüht, in religionspolitischen Fragen im Heiligen Römischen Reich unparteiisch zu agieren, er war auf die Friedenssicherung bedacht.

In den österreichischen Ländern war Maximilian nicht Alleinerbe: Sein Vater hatte das Herrschaftsgebiet vor seinem Tod auf seine drei Söhne aufgeteilt. Damit wollte er für den Fall vorsorgen, dass sein Sohn doch noch Protestant wurde. Maximilian regierte in Donauösterreich und war König von Ungarn und Böhmen. Er bewarb sich auch für die polnische Königskrone, musste diese Ambition aber schließlich aufgeben. Seine Außenpolitik war von der Türkenabwehr bestimmt: Das Herrschaftsgebiet befand sich im ständigen Kleinkrieg mit dem Osmanischen Reich. 1565 wurde daraus eine größere Bedrohung, als ein riesiges türkisches Heer nach Ungarn zog. Wegen dieser ständigen Grenzkonflikte waren im 16. Jahrhundert Zugeständnisse an den Adel notwendig: Der zeitgenössische Ausspruch „Der Türk ist der Lutheraner Glück“ brachte das auf den Punkt. Maximilian gewährte den Adeligen die freie Ausübung der Augsburger Konfession. Doch die Gegenreformation kündigte sich bereits an, 1551 waren die Jesuiten nach Wien gekommen.

Stephan Gruber