1595–1740

Habsburgische Nachwuchssorgen: Karl VI.

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Wie sein Namensvetter Karl V. versuchte sich Karl VI. als König in Spanien und als römisch-deutscher Kaiser. Sein größtes Ziel wurde, die Weichen für die Erbfolge seiner Tochter Maria Theresia zu stellen.

Als Jugendlicher erlebte Karl den Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges, der ständig hin und her wogte. 1703 wurde Karl zum König von Spanien proklamiert. Doch beim Versuch, sich in Spanien durchzusetzen, musste er zahlreiche Rückschläge hinnehmen. 1711 wurde zum entscheidenden Jahr: Sein Bruder Joseph I. starb. Karl sollte nun auch die Erbfolge in der Habsburgermonarchie antreten. Da er damit aber Spanien und Österreich unter seiner Herrschaft vereint hätte, brachte dieses Ereignis den Umschwung in der Bündnispolitik des Erbfolgekrieges. Karl verließ Spanien und wurde in Frankfurt als Karl VI. zum römisch-deutschen Kaiser gewählt.

Nach dem Erbfolgekrieg musste Karl vertraglich auf Spanien verzichten. Das konnte er nie ganz überwinden, er führte weiterhin den Titel „König von Spanien“. Immerhin erhielt er aber einige spanische Nebenländer, nämlich Mailand, Neapel, Sardinien und die südlichen Niederlande (heute Belgien). In weiterer Folge konzentrierte er sich auf die Absicherung seiner Gebiete.

Am Wiener Hof forcierte Karl VI. die Rückkehr zur alten Barockfrömmigkeit. Die Karlskirche in Wien, die er nach Erlöschen der Pest von 1713 in Auftrag gab, ist ein imposantes Denkmal für den Höhepunkt des Barock. Mit der Zeit löste Karl das Beraterteam seines Bruders Joseph auf und machte auch dessen Reformen rückgängig. Deswegen kam es 1719 zu einem ernsten Konflikt mit Prinz Eugen.

Die Politik Karls war bis zu seinem Tod von der Durchsetzung der Pragmatischen Sanktion bestimmt. Zwei Faktoren waren an diesem Dokument besonders bedeutsam: Karl erklärte seine Gebiete als „unteilbar und untrennbar“. Damit wurde die Habsburgermonarchie erstmals offiziell als Gesamteinheit festgeschrieben. Außerdem regelte die Urkunde alle möglichen Erbfolgen – im Rahmen der bereits möglichen weiblichen Erbfolge rückten die Töchter Karls vor die Josephs I. und Leopolds I. Da Karl keinen männlichen Thronfolger hinterließ, wurde die Anerkennung dieser Bestimmung dringend. Im Inneren funktionierte das ganz gut. Zwar akzeptierten nach komplizierten Verhandlungen auch viele ausländische Mächte das Dokument; doch schon Prinz Eugen hatte gemeint, dass eine starke Armee wohl ein besserer Garant für die Nachfolge von Karls Tochter Maria Theresia wäre als dieses Stück Papier. Er sollte Recht behalten …

Stephan Gruber