1595–1740

Noch ein Ferdinand: Ferdinand III.

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Ferdinand III. ist ein wenig bekannter habsburgischer Kaiser. Er beerbte seinen Vater inmitten des Dreißigjährigen Krieges.

Er stützte sein Szepter auf Leier und Schwert.

Erzherzog Leopold Wilhelm über seinen kunstinteressierten Bruder Kaiser Ferdinand III.

Meist gilt Ferdinand III. in den Geschichtsdarstellungen als Anhängsel seines Vaters Ferdinand II., dem er nach dessen Tod 1637 als Kaiser nachfolgte. Schon zuvor war er mit militärischen Aufgaben betraut worden: Nach dem Tod Wallensteins übernahm der junge Erzherzog den Oberbefehl über die habsburgische Armee. 1634 errang er gemeinsam mit seinem spanischen Cousin, der ebenfalls Ferdinand hieß, in der Schlacht bei Nördlingen einen Sieg über die Schweden und deren protestantische Verbündete. Das Gemälde von Rubens veranschaulicht die große Bedeutung der engen Zusammenarbeit zwischen der österreichischen und der spanischen Linie der Habsburger während des Dreißigjährigen Krieges: Das Haus Österreich wurde als Einheit aufgefasst, die im Auftrag Gottes die katholische Religion gegen Andersgläubige schützen sollte.

Neben dem Militär interessierte sich Ferdinand vor allem für die Musik, er gilt als erster „komponierender Kaiser“. Bei seinem Herrschaftsantritt hatte der Dreißigjährige Krieg die schrecklichsten Ausmaße angenommen: Eindeutige Konfliktlinien waren nicht mehr erkennbar. Die Bevölkerung litt unter der zügellosen Gewalt und den Plünderungen der Söldnerheere. Entscheidende Schlachten wurden nicht mehr ausgetragen. Ferdinand III. war um einen Friedensschluss bemüht. Trotzdem dauerte es noch einige zähe Verhandlungsjahre, bis endlich am 24. Oktober 1648 der Westfälische Friede den langen Krieg beendete. Das Ziel, den Absolutismus auch im Heiligen Römischen Reich durchzusetzen, hatten die Habsburger nicht erreichen können. Zwar blieb das Reich für die habsburgischen Kaiser weiterhin wichtig, sie richteten aber ihre Interessen ab nun zunehmend nach Südosten aus.

Obwohl Kaiser Ferdinand III. im Reich nun eine geschwächte Position hatte, versuchte er noch die Durchsetzung einiger Reformen. 1653/54 fand ein Reichstag in Regensburg statt, auf dem Ferdinands gleichnamiger Sohn als Ferdinand IV. zum römischen König gewählt wurde. Dieser starb jedoch schon mit 21 Jahren an den Pocken, drei Jahre vor dem Tod seines Vaters. Leopold I., ein jüngerer Sohn Ferdinands III., konnte schließlich die Nachfolge antreten. Der Regensburger Reichstag sollte der letzte dieser Art werden: Bis dahin hatten sich die Mächtigen des Reiches in unregelmäßigen Abständen getroffen. Ab 1663 tagten die Gesandten im Immerwährenden Reichstag in Regensburg.

Stephan Gruber