1595–1740

Der Protestantenverfolger: Ferdinand II.

Druckversion

Ferdinand II. war kompromisslos katholisch und forcierte die Gegenreformation. Er führte das Habsburgerreich in den Dreißigjährigen Krieg, der Leid und Zerstörung für die Bevölkerung brachte.

Das Verzeichnis des umgefallenen Wildbrets habe ich empfangen. Es ist ziemlich viel, aber um die Wahrheit zu bekennen, habe ich mich eines viel größeren Schadens besorgt. Ich wollte wünschen, daß so viel Prädikanten (= evangelische Prediger) und rebellische Rädelsführer dafür verreckt wären.

Ferdinands Reaktion auf die Dezimierung des Wildbestandes durch einen harten Winter

Ferdinand II. war in seiner Religionspolitik weit radikaler als seine Vorgänger. Er hatte eine strenge katholische Erziehung durch die Jesuiten erfahren. Zudem stand er unter dem Druck der katholischen Dynastie der Wittelsbacher, aus der seine erste Gattin Maria stammte. Schon vor seinem Herrschaftsantritt als Kaiser erwarb sich der kompromisslose Katholik einen Ruf als Protestantenverfolger: In Innerösterreich, wo er seinem Vater Karl II. als Landesherr nachfolgte, führte er mit aller Härte die Gegenreformation durch. Dazu gehörten Bücherverbrennungen und Vertreibungen von ProtestantInnen, die sich nicht zum Katholizismus bekehren wollten.

Kaiser Matthias wehrte sich zwar lange gegen die Nachfolge seines Cousins Ferdinand, war jedoch alt und schwach und hatte keine eigenen Kinder. Daher wurde nach Matthias‘ Tod Ferdinand zum neuen Kaiser. Zuvor war er bereits König von Böhmen und Ungarn geworden. Damit setzte er sich gegen die spanischen Verwandten durch, die ebenfalls Ansprüche auf die böhmische Krone gestellt hatten. Bei seinem Herrschaftsantritt sah sich Ferdinand II. sowohl in den habsburgischen Erblanden als auch im Heiligen Römischen Reich einer überaus kritischen Lage gegenüber: Im Reich standen einander die Religionsparteien – die protestantische „Union“ und die katholische „Liga“ – gegenüber. In Böhmen kam es 1618 zu einem Konflikt um die Rechte der protestantischen Stände, der zur bewaffneten Revolte wurde. Die Lage konnte zwar mit der Schlacht am Weißen Berg schnell gelöst werden; doch auch wenn die Gewaltanwendung für Ferdinand II. zunächst Erfolg versprechend schien, war der Krieg damit nicht beendet. Im Gegenteil: Die scharfen Gegensätze zwischen Katholiken und Protestanten führten zum Dreißigjährigen Krieg. Ferdinand gab sich als Vorkämpfer der katholischen Sache und wollte den Katholizismus im ganzen Reich durchsetzen. Mit Fortdauer des Krieges traten die religiösen Fragen jedoch in den Hintergrund; es wurde zunehmend ein Söldnerkampf um Geld und Beute geführt, unter dem vor allem die Bevölkerung litt.

1629 befand sich Ferdinand II. am Höhepunkt seiner Macht: Er versuchte, alle seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 verlorenen Güter wieder für die katholische Kirche zurückzugewinnen. Doch ab nun musste der Kaiser zahlreiche Rückschläge hinnehmen. Bei seinem Tod 1637 hinterließ Ferdinand II. seinem Sohn Ferdinand III. eine chaotische Situation.

Stephan Gruber