Weber im Winter, Maurer im Sommer

Bauernfamilie beim Schlachten eines Schweines, Öl auf Leinwand

Spinnstube und Geräte zum Spinnen und Spulen, Kupferstich, 1773

Patent zur Aufhebung der Leibeigenschaft 1781

Viele Landarbeiter mussten sich einen Teil des Jahres als Tagelöhner oder Kleinkrämer verdingen und zogen auf der Suche nach Arbeit über die Straßen der Monarchie. Heim und Hof ließen sie zurück.

Bauernfamilie beim Schlachten eines Schweines, Öl auf Leinwand

Spinnstube und Geräte zum Spinnen und Spulen, Kupferstich, 1773

Patent zur Aufhebung der Leibeigenschaft 1781

Mit dem verstärkten Aufkommen der Heimarbeit im 18. Jahrhundert wurden proto-industrielle Tätigkeiten in die Häuser und Wohnungen der ArbeiterInnen oder IndustriehandwerkerInnen verlegt. Heimarbeit leisteten vor allem ländliche Unterschichten wie Häusler und Kleinbauern, die sich hiermit zusätzliches Geld verdienten. Da die Heimarbeit oft bessere Einkünfte als die Landwirtschaft versprach, nahmen auch Mitglieder der Bauernfamilien zusätzlich heimindustrielle Tätigkeiten wie Spinnen, Weben sowie die Herstellung von Holzwerkzeugen und Tonwaren an. Landwirtschaftliche Aufgaben wurden vielfach an TaglöhnerInnen und HäuslerInnen gegen geringen Lohn abgegeben. Gerade in Phasen großer Arbeitsbelastungen – etwa während der Erntezeit – mussten die Bauernfamilien zusätzlich Arbeitskräfte aufnehmen.

Die nur für kürzere Zeit beschäftigten Taglöhner mussten daher ihren Lebensunterhalt auf vielfältige Weise verdienen. Häufig wurden Tätigkeiten in den umliegenden Landwirtschaften angenommen und der Lebensunterhalt als Kombination von Taglöhner-Arbeiten und proto-industrieller Heimarbeit bestritten.

Während vielfach die Häuslerkinder in Dienst und Taglohn auf benachbarten Höfen waren, reisten die vielerorts benötigten WeberInnen mit ihren zusammenklappbaren Webstühlen von Haus zu Haus, von Ort zu Ort, um ihren Dienst anzubieten.

Oftmals reichte die Ausübung eines einzelnen Gewerbes als Familieneinkommen nicht aus. Kombinierte oder mehrere Berufe bzw. Arbeitsfelder wie Schneidermeister und Spielmann, Schmied und Kramer (Kaufmann), Schneider und Nachtwächter, Maurer und Weber waren die Folge. Je nach Auftragslage wurde die eine oder andere Tätigkeit aufgenommen. Häusler, welche einen Acker besaßen, waren auf die Ressourcen der umliegenden Bauernhöfe angewiesen. Sie liehen sich gegen Gebühr Pferde und Ochsen zur Bewirtschaftung des eigenen Feldes – daraus resultierte ein Patronats-Klientel-Verhältnis zwischen Bauern und Häuslern. Durch den zunehmenden Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen gerieten kleine Bauernhöfe unter die Räder. Sie konnten sich die teuren Gerätschaften nicht mehr leisten und mit den Erträgen und Preisen nicht mithalten. Häufig mussten sie dann ihre Bauernhöfe auflassen und verdienten sich als Taglöhner und Heimarbeiter ihren Lohn.

Anita Winkler