Leben (wie) in einer Kommune?

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Gemeinsam arbeiten, essen und wohnen war nicht nur das Motto der "Kommunen" des 20. Jahrhunderts, sondern auch das von frühneuzeitlichen Hausgemeinschaften.

Die Selbstversorgung des „ganzen Hauses“ stand zwar an erster Stelle, doch war dieser Verband in die Dorfgemeinschaft, das regionale Marktnetz und in den übergreifenden Herrschaftsverband eingebunden. Erst die Zusammenarbeit und die Beteiligung aller Mitglieder (auch junger und alter Personen) am häuslichen Arbeitsprozess ermöglichte die Bewältigung des gemeinsamen Alltags im Dorf.

Während sich bäuerliche Haushalte durch die Bewirtschaftung der Felder relativ unabhängig versorgen konnten, tauschten Handwerkshaushalte die Einnahmen aus ihren Erzeugnissen gegen Lebensmittel und andere Produkte. Der Meister mit den Gesellen und Lehrlingen war in der Produktion tätig, während seine Frau mit ihren Mägden für den Haushalt sorgte. Auch Besitz spielte in dieser Hausherrschaft eine Rolle, da er das Ansehen des Hauses mitbegründete. Nicht der Gewinn, sondern das Auskommen galt als Prämisse dieser Form des gemeinsamen Wirtschaftens. Im Gegensatz dazu war die Arbeit der Kaufmannshäuser stärker profitorientiert. Die erwirtschafteten Gewinne wurden dabei auch für Luxusartikel und Repräsentationszwecke eingesetzt, um Stadt und Hof zu beeindrucken und zum Kauf zu animieren.

Der Repräsentation verpflichtet sah sich auch der Adel, bei dem Arbeit oft durch Muße ersetzt wurde − was immer mehr kritisiert wurde. Adelige standen zu ihren Verwandten in einem engen Verhältnis. Der gemeinsame Besitz, der nach Geburts- und Erbregeln geordnet war, verband ihre Gemeinschaft.Heimarbeiterfamilien bestanden meist aus Kernfamilie mit Vater, Mutter und Kindern. Sie waren besitzlose Lohnarbeiter und verfügten über keine Produktionsgeräte. Ihre Arbeiten, etwa Spinnen und Weben, erfolgte im Familienverband ohne Gesinde.

Anita Winkler