Kinder gebären und Kinder ernähren. Frauenwirtschaften

Scheune mit Geschirr reinigender Magd und Ziegen

Cesare Francanzano: Sterbende Mutter, 1640/50

Joachim Bueckelaer: Köchin, 1574

Joachim Bueckelaer: Marktweib, 1561

Auch wenn Frauen kein öffentliches Mitspracherecht besaßen, waren sie für den Bestand der Hauswirtschaften unentbehrlich.

Wenn sie [die Frau] aber außer der Haushaltung reden, so taugen sie nichts. Denn wiewohl sie Wert genug haben, doch fehlts und mangelts ihnen an Sachen, die sie nicht verstehen […] Daraus erscheinet, daß das Weib geschaffen ist zur Haushaltung

Martin Luther

Scheune mit Geschirr reinigender Magd und Ziegen

Cesare Francanzano: Sterbende Mutter, 1640/50

Joachim Bueckelaer: Köchin, 1574

Joachim Bueckelaer: Marktweib, 1561

Der frühneuzeitliche Haushalt war patriarchal strukturiert. Zwar konnte im Todesfall auch die Frau Herrin des Hauses werden, doch in der Regel war der Mann das Oberhaupt, dem alle Haushaltsmitglieder und -güter unterstanden: Ehefrau, Kinder, Gesinde, Hausgut, Vieh und Äcker. Das „ganze Haus“ war eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, in der die Aufgaben klar verteilt wurden. Der Hausherr erledigte alle Geschäfte und haftete auch für Schäden, die dabei verursacht wurden. Frauen waren davon weitgehend ausgeschlossen.

Neben der traditionellen Arbeitsteilung, die sich in bäuerlichen, handwerklichen oder kaufmännischen Haushalten durchaus unterschiedlich gestaltete, waren es vor allem Schwangerschaft und Kinderpflege, die die Frau in den häuslichen Bereich verwiesen. Die Zuordnung zum Heim hatte zur Folge, dass Frauen über diesen Bereich relativ selbstständig bestimmen konnten. Ohne Anordnung des Hausherrn sorgten sie nicht nur für Kleidung, kümmerten sich um Kleinvieh, Garten und Nahrungsversorgung und hüteten die Kinder, sondern hatten vielmehr in diesem Bereich die Führung inne und waren für die Existenzsicherung verantwortlich. Gesinde, Mägde und Kinder standen ihr dabei zur Seite. Vielfach übernahmen Frauen zusätzlich außerhäusliche Tätigkeiten wie Feldarbeiten und Marktein- und -verkäufe. Je nach Größe der Hauswirtschaft waren Frauen mehr oder weniger intensiv in den Aufgabenbereich des ‚ganzen Hauses‘ eingebunden. Eine stärke Trennung zwischen betrieblicher und häuslicher Arbeitsorganisation war im Handwerkshaushalt gegeben, da Frauen aus den allermeisten Zunfthandwerken ausgeschlossen wurden.

Die Welt der adeligen Frau unterschied sich wesentlich von der der bäuerlichen und handwerklichen. Sie leitete zumeist einen großen Haushalt und musste mit ihrem Gatten Repräsentationspflichten teilen. Von manuellen Tätigkeiten und Kindererziehung war sie weitgehend entlastet. Hierfür stand Personal zur Verfügung. Adelige Frauen brauchten keinen ‚materiellen‘ Beitrag zur Lebenserhaltung leisten, dafür waren sie stärker in die kulturelle und soziale Repräsentation eingebunden.

Obwohl Frauen im ‚ganzen Haus‘ eine untergeordnete Rolle einnahmen, war ihr Beitrag zur Hausökonomie wesentlich: „Ein Haus ohne Frau, das ist wie ein Ofen ohne Feuer.“ Nicht nur volkstümliche Redensarten verwiesen auf die Notwendigkeit, eine Frau im Hause zu haben, sondern auch die Tatsache, dass verwitwete Hausherren in der Regel bald wieder heirateten.

Anita Winkler