Der Hradschin – die Prager Burg

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Der Hradschin ist eine Königsburg wie aus dem Bilderbuch. Majestätisch über der Stadt thronend ist die altehrwürdige Burg das Symbol des böhmischen Staatswesens. Seit dem Mittelalter war die Prager Burg das Zentrum der weltlichen und geistlichen Macht im Lande. Mit der Übernahme der Herrschaft durch die Habsburger begann eine Geschichte von Annäherung und Ablehnung.

Am Hradschin befand sich die königliche Residenz, hier trat der Landtag zusammen und tagten die obersten Behörden des Königreiches Böhmen. In unmittelbarer Nähe zum Königspalast repräsentiert der St. Veitsdom die kirchliche Macht. Die Kathedrale birgt das größte Heiligtum Böhmens, die St. Wenzelskapelle mit den Reliquien des Landespatrons. In der Schatzkammer des Domes wird die böhmische Königskrone, die St. Wenzelskrone aufbewahrt.

In der Königlichen Gruft liegen einige Habsburger begraben, so Ferdinand I., der 1526 die böhmische Krone für das Haus Habsburg erwarb. An seine Gemahlin Anna, durch deren Herkunft aus dem Geschlecht der Jagiellonen er seinen Anspruch auf die Krone herleiten konnte, erinnert auch das Lustschloss Belvedere im königlichen Garten der Burg, ein luftiger Bau der italienischen Renaissance, der zunächst wie ein Fremdkörper in der gotischen Umgebung gewirkt haben muss.

Unter Maximilian II. pendelte der habsburgische Kaiserhof zwischen Wien und Prag, bis dann Rudolf II. im Jahre 1583 seine Residenz dauerhaft in Prag aufschlug und die Burg großzügig ausbauen ließ. Dank seiner riesigen Kunstsammlungen wurde die Prager Burg zu einer einzigen „Kunst- und Wunderkammer“. An Rudolfs legendenumwobene Anwesenheit auf der Burg erinnern noch ein weithin leuchtendes goldenes ‚R‘ am Turm der Kathedrale und vor allem der Mythos vom „Magischen Prag“.

Nach der gewaltsamen Niederschlagung des böhmischen Ständeaufstandes 1620 mieden die Habsburger Prag und gaben Wien den Vorzug. Die Habsburger waren nun seltene Gäste auf der alten Prager Königsburg. Nicht nur die kaiserliche Residenz, auch die Zentralbehörden des böhmischen Staatswesens wurden nun dauerhaft nach Wien verlegt.

Kaiserlicher Prunk entfaltete sich nur mehr bei seltenen Aufenthalten des habsburgischen Hofes in Prag. Als Beispiel seien die Festlichkeiten anlässlich der Krönung Karls VI. genannt: Der vergeblich auf einen männlichen Thronfolger hoffende Habsburger unterzog sich den aufwändigen Zeremonien relativ spät, erst 1723, also zwölf Jahre nach seinem Regierungsantritt. Angeblich deshalb, weil eine alte Legende besagte, dass nur einem rechtmäßig gekrönten und gesalbten König von Böhmen ein männlicher Nachfolger geboren würde. Ein Hoffnung, die sich nicht erfüllte, wie die folgenden Ereignisse zeigen sollten.

Martin Mutschlechner