Bier brauen, Wein anbauen und die Obrigkeit finanzieren – Weinbau und Bierbrauerei

Francesco Bassano: Herbst (Weinlese), Öl auf Leinwand, um 1585/1590

Richard Brakenburgh: Wirtshausszene mit tanzenden Bauern, Öl auf Leinwand

Brauhaus

Welches Bier und welchen Wein die in den habsburgischen Territorien lebenden Menschen tranken, lag nicht immer in ihrer Entscheidungsgewalt. Die Grundherren bestimmten nicht selten darüber.

Francesco Bassano: Herbst (Weinlese), Öl auf Leinwand, um 1585/1590

Richard Brakenburgh: Wirtshausszene mit tanzenden Bauern, Öl auf Leinwand

Brauhaus

Die Genehmigung zur Bier- bzw. Weinausschank wurde entweder an Personen oder Häuser vergeben und war an das Bürgerrecht bzw. den Besitz von Weingütern geknüpft. Es durfte nicht jeder Wein oder jedes Bier verkauft werden. Die Obrigkeiten konnten die Menschen dazu verpflichten, das Bier einer bestimmten Brauerei zu erwerben – meist von einer grundherrlichen Schloss- oder Klosterbrauerei, die beträchtliche Gewinne mit dem Verkauf erzielte. Während noch im Mittelalter viele Haushalte selbst Bier brauten, wurde es zur Mitte des 15. Jahrhunderts immer mehr zu einem spezialisierten Gewerbe des Bürgertums, des Adels und der Klöster. Wein durfte zudem nur zwischen dem 29. September – also nach der Lese –, und dem 30. April ausgeschenkt werden. Die Weinverarbeitung, die auch zum Alltag vieler WienerInnen gehörte, zog mitunter den Unmut der habsburgischen Herrscher auf sich. Ferdinand I. versuchte, das Weinpressen in der Stadt aus hygienischen Gründen gänzlich zu unterbinden. Die Arbeit in den Weingütern erledigten vor allem Lohn- und WanderarbeiterInnen. Wein wurde sowohl für den Eigenverbrauch und die Ausschank in den umliegenden Gegenden produziert als auch für den Export. Die Landesfürsten verdienten kräftig am Alkoholkonsum der Bevölkerung, denn alkoholische Getränke wurden im Durchschnitt mit 30 Prozent besteuert. Zur Kontrolle versahen Steuereinnehmer jedes zum Verkauf bestimmte Fass mit einem „Passierungspass“ und einem Kontrollzeichen. Wenig überraschend traten zahlreiche Konflikte zwischen den Wirten und den Steuereinnehmern auf. Veranstaltungen in der Schenke waren zusätzlich besteuert, sodass in Wien etwa pro MusikerIn 15 Kreuzer zu bezahlen waren.

Christina Linsboth