Adelige Naschkatzen – Die Schokolade 'erobert' Wien

Anton Matthias Joseph Domanek: Schokoladegeschirr Maria Theresias, Wien um 1750

Die mit Gewürzen verfeinerte Trinkschokolade war ein Muss für die adelige und höfische Gesellschaft. Der Großteil der Bevölkerung konnte jedoch erst viel später mitnaschen.

Caffée-Hauß, ein Ort, da man zubereiteten thée, Caffé, Chocolate, und daneben Brandte-Wein, Rofolis, bouteillen- und andre Bier, Wein, und dergleichen mehr um billigen Preis findet. (…) An andern Orten geben sie Anlaß u. Gelegenheit zu guten erbauchlichen und gelehrten Gesprächen, vornehmen, nützlichen und angenehmen Bekantschafften, auch die neusten Zeitungen zu lesen oder zu erfahren, oder sonsten seinen oder des Nechsten Nutzen und Wohlfahrt zu befördern.

Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universallexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 5, 1733, 0071.

Anton Matthias Joseph Domanek: Schokoladegeschirr Maria Theresias, Wien um 1750

Wie viele Genussmittel kam auch die aus Kakao gewonnene Schokolade aus der „neuen Welt“ und verbreitete sich von Spanien ausgehend in ganz Europa. Gehandelt wurde nicht mit dem fertigen Produkt, sondern mit Kakaobohnen. Mit dem heutigen Massengut hatte die Schokolade der Frühen Neuzeit allerdings wenig zu tun. Sie wurde als heißes Getränk serviert und erst im 19. Jahrhundert in Tafelform erzeugt. Bis dahin galt sie als teures Luxusprodukt und war den Adeligen und der bürgerlichen Oberschicht vorbehalten. Auch am kaiserlichen Hof war das Getränk beliebt: Karl VI. brachte 1711 seinen spanischen Hofstaat, der an Kakao gewöhnt war, mit nach Wien. Seine Tochter Maria Theresia, die einen eigenen Schokolademacher am Hof beschäftigte, besaß zwölf Schokoladeschalen samt Becher, zwei Schokoladekannen und sechs Schokoladetassen – alles aus Silber. Für Schokolade gab der kaiserliche Hof Mitte des 18. Jahrhunderts in etwa so viel aus wie für Bier, aber weitaus weniger als für Wein und Brot. Das Getränk diente, wie in adeligen Kreisen üblich, als Frühstücksgetränk, das mit Vanille und Zimt verfeinert mit einem Glas Wasser und Brot serviert wurde. Während die Adeligen die Schokolade zu Hause herstellen und servieren ließen, gingen die bürgerlichen Oberschichten in die Kaffeehäuser der Stadt. Letztere konnten den Kakao seit 1725, als den Schokolademachern das Bürgerrecht verliehen wurde, kaufen und daheim trinken. Die Schokolademacher waren im Gegensatz zu den Kaffeesiedern allerdings nicht berechtigt, die Schokolade als Getränk anzubieten. Durchschnittlich 56 Kilogramm des Genussmittels lagerten bei den Wiener Herstellern in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, während die einzige Grazer Schokolademacherin stolze 507 Kilogramm vorrätig hatte. Das heiße Getränk galt als Heilmittel, als Familiengetränk und Sinnbild des Genusses und Müßiggangs – nachgesagt wurde der Schokolade auch erotisierende Wirkung.

Christina Linsboth