Aux armes, citoyens – Zu den Waffen, Bürger!

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Im Krieg gegen die Revolution und Frankreichs Heerführer Napoleon wurde Österreich immer weiter aus Westeuropa zurückgedrängt.

Aux armes, citoyens,
Formez vos bataillons,
Marchons, marchons!
Qu’un sang impur
Abreuve nos sillons!

[Zu den Waffen, Bürger! / Schließt die Reihen, / Vorwärts, marschieren wir! / Das unreine Blut / tränke unserer Äcker Furchen!]

Refrain der "Marseillaise", der heutigen französischen Nationalhymne, die 1792 als Schlachtgesang des Krieges gegen Österreich entstanden ist

Die etablierten europäischen Herrscher sahen die Französische Revolution als Gefahr: Sie befürchteten ähnliche Umsturzversuche in ihren eigenen Herrschaftsgebieten und eine Invasion Napoleons. Diese Ängste blieben nicht unbegründet: Am 20. April 1792 erklärte das revolutionäre Frankreich der österreichisch-preußischen Koalition den Krieg. Europas Monarchen reagierten mit wechselnden Bündnissen, es folgte eine lange Kriegszeit.

1796/97 verzeichnete Napoleon seinen ersten großen Erfolg: Österreich wurde zum Frieden von Campoformio gezwungen und damit aus Norditalien verdrängt. 1804 machte sich Napoleon zum Kaiser und konnte einige Mächte im Heiligen Römischen Reich, unter anderen Bayern, Baden und Württemberg, auf seine Seite bringen. Frankreichs Sieg in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz 1805 bedeutete für die Habsburger neuerlich schwere Gebietsverluste im Ausmaß von 1.000 Quadratmeilen bzw. drei Millionen EinwohnerInnen: Venetien, Istrien und Dalmatien gingen an Frankreich, ganz Vorderösterreich an Bayern verloren.

Ab 1806 wurde Wien zum Zentrum des Widerstandes gegen Napoleon. Die Propaganda sollte den Krieg zu einem „Volkskrieg“ umdeuten: Dichter und Publizisten versuchten patriotische Gefühle in der Bevölkerung zu wecken. Zu diesen Versuchen zählte die Kaiserhymne von Joseph Haydn. So einfach war die Bevölkerung aber nicht vom Kampf gegen Napoleon und den damit verbundenen Entbehrungen zu überzeugen: Der französische Anführer stieß bei seinen zwei Aufenthalten in Wien 1805 und 1809, während derer er Schloss Schönbrunn besetzte, bei den WienerInnen nicht nur auf Ablehnung.

Inzwischen hatte Fürst Metternich die österreichische Außenpolitik übernommen – 1809 folgte die nächste Kriegserklärung an Frankreich, die neuerlich zum Desaster geriet. Im Frieden von Schönbrunn gingen wieder 2.000 Quadratmeilen bzw. 3,5 Millionen EinwohnerInnen sowie der Zugang zum Meer verloren – eine enorme Belastung für das Land. Auf dem Schlachtfeld war nichts zu holen, daher probierte es der Kaiser auf anderem Weg: Franz II./I. opferte seine 18-jährige Tochter Marie Louise und verheiratete sie mit Napoleon. Dieses Bündnis führte zur Beteiligung Österreichs an Napoleons Russland-Feldzug 1812. Die Habsburger wechselten aber schnell wieder die Seiten zur großen antifranzösischen Koalition. Et voilà: Franz II./I. stand 1815 auf der Seite der Sieger – wenn auch die langen Kriege immense Belastungen für seine Staatsfinanzen bedeuteten.

Stephan Gruber