Ausstellung im Archiv
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Kaiserliche Tafelschätze

18. März 20221. November 2023

Schloss Hof

Schloss Hof

Die Sonderausstellung zeigt die schönsten Stücke aus den Beständen der ehemaligen kaiserlichen Hofsilber- und Tafelkammer. Edle Kunstwerke aus Silber, Porzellan und Glas veranschaulichen die funkelnde Welt der höfischen Tafelkultur vom Barock bis zum Ende der Habsburgermonarchie 1918.

Die hier gezeigten Objekte aus der ehemaligen Hofsilber- und Tafelkammer des Wiener Hofes besitzen einen besonderen Charakter:  Es sind dies Kunstwerke von hoher ästhetischer und kunsthandwerklicher Qualität. Zugleich handelt es sich auch um Objekte, die im ständigen Gebrauch standen und somit Einblicke in die Fest- und Alltagskultur am Wiener Kaiserhof bieten.

Die Vielfalt der Objekte ist beeindruckend – ein wahrer „Schatz“, nicht nur, was den materiellen Wert betrifft, sondern auch die kulturgeschichtliche Bedeutung: Nicht umsonst gilt die Wiener Silberkammer als eine der führenden Sammlungen dieser Art weltweit.

Ergänzt und in interessante Zusammenhänge gebracht werden die Objekte aus der Hofsilber- und Tafelkammer durch Exponate aus der Sammlung der Schönbrunn Group.

Fact & Figures

Eine Ausstellung auf zwei Standorten – Schloss Hof und Schloss Niederweiden

Kuratierung:
Katrin Harter, Birgit Schmidt-Messner und Martin Mutschlechner

Gezeigt wird eine repräsentative Auswahl an Objekten aus dem Sammlungsbestand der ehemaligen Hofsilber- und Tafelkammer, heute unter der Verwaltung der Bundesmobilienverwaltung, ergänzt durch zahlreiche Exponate aus der Sammlung der Schönbrunn Group sowie Leihgaben aus privaten Sammlungen.

Schwerpunkte der Ausstellung:

Service mit Persönlichkeit

(Erweiterung der Ausstellung 2023)

Dieser, in Schloss Hof präsentierte Themenbereich erweitert die Ausstellung in der Saison 2023. Im Zentrum stehen Tafelservice, die Persönlichkeiten aus dem Kaiserhaus gewidmet sind. Die ausgestellten Objekte spiegeln deren Lebensstationen und Leidenschaften wider.

Im Zeichen des Delphins

"Der Delphin, der lachende Philosoph der See, ist das persönliche Emblem der meerdurchwandernden Fürstin“, schrieb Constantin Christomanos, der griechische Vorleser Kaiserin Elisabeths (1837-1898), in seinem Buch Das Achilles-Schloss auf Corfu (erschienen in Wien 1896).

In Form des Achilleions entstand – ganz nach den Vorstellungen der Kaiserin – ein Palast am Meer, der im antikisierenden Stil ausgestattet wurde. Elisabeth empfand eine große Faszination für das Meer. Dies spiegelt sich auch in der Gestaltung des Tafelservices wider – auf Elisabeths Wunsch hin wurden alle Teile mit dem Emblem eines Delphins geschmückt.

Die Lockungen einer Kaiserkrone

Mit 31 Jahren verließ der Habsburger Erzherzog Ferdinand Maximilian (1832-1867) Europa Richtung Mexiko, um die durch Initiative des französischen Kaisers Napoleon III. angebotene Regentschaft als Kaiser von Mexiko anzutreten. Getrieben vom Ehrgeiz nach Profilierung und Selbstverwirklichung und getäuscht durch eine zu seinen Gunsten manipulierte Volksabstimmung, steuerte er diesem riskanten und letztendlich tödlichen Abenteuer entgegen. Mit großem Enthusiasmus bereitete sich Maximilian auf seine Rolle als Kaiser von Mexiko vor. Bis ins Detail plante er seinen kaiserlichen Haushalt. Während der Überfahrt nach Mexiko beschäftigte er sich eingehend mit dem künftigen Erscheinungsbild seiner mexikanischen Hofhaltung, bis hin zu Skizzen für Tafelgeschirr.   

Der „Blumenkaiser“ und das Porzellan

Es wird eine Auswahl von einzigartigen Motivtellern, die unter Kaiser Franz II./I. (1768-1835) entstanden sind, gezeigt. Unter dem Motto „Kunst auf den Teller gebracht“ sind Meisterwerke aus der Produktion der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur Wien zu sehen, darunter eine Auswahl der berühmten Blumenteller. Der „Blumenkaiser“ Franz verfügte über ein großes Interesse an Gärten und an der Pflanzenzucht und ließ detailgenaue Wiedergaben von Blumen auf Tellern festhalten. Die Leuchtkraft der Porzellanfarben und die delikat eingesetzten Goldleisten lassen die Blumen-Porträts überaus elegant wirken.

 

Goldlöffel & Prunkgeschirr

Im Ausstellungsteil Schloss Hof liegt der Fokus auf der Epoche von Maria Theresia. Neben exquisiten Exponaten aus der umfangreichen Sammlung asiatischer Porzellane veranschaulichen Objekte der heimischen und französischen Porzellanmanufakturen die Bedeutung dieses Materials für den Wiener Hof.

Zwischen Kimono und Krinoline – Porzellan in Asien und Europa

Erfunden in China und nachgeahmt in Japan, wurden Gegenstände aus Porzellan in großer Vielfalt und Anzahl seit dem 17. Jahrhundert nach Europa exportiert. Die exotischen Dekore und ungewöhnlichen Gefäßformen faszinierten die Aristokratie und lösten eine intensive Sammelleidenschaft aus.

Geschenke erhalten die Freundschaft

Eine Form der diplomatischen Annäherung im 18. Jahrhundert waren Geschenke aus kostbarem Porzellan. Aufmerksamkeiten dieser Art besaßen durchaus eine wichtige politische Bedeutung, indem sie das Bemühen um Konfliktvermeidung oder den Versuch einer friedlichen Konfliktlösung zum Ausdruck brachten.

Ein Präsent aus der Produktion der heimischen Porzellanmanufaktur war für die Monarchen des 18. Jahrhunderts ein Ausweis der Großzügigkeit und diente zugleich der Erhöhung der eigenen Reputation. Gerade der französische Hof war darin perfekt, Kunsthandwerk als Ausdruck des Führungsanspruchs auf kulturellem Gebiet einzusetzen. Da die Erzeugnisse der französischen Manufaktur Sèvres gesuchte Luxusprodukte waren, eigneten sie sich ideal dafür.

Das „Service mit den grünen Bändern“ steht in einem engen Zusammenhang mit der diplomatischen Revolution des 18. Jahrhunderts: Das „Renversement des alliances“, wie es in der französischen Hofsprache der Zeit genannt wurde, veränderte das Bündnissystem der europäischen Mächte grundlegend: Nach jahrhundertelanger Gegnerschaft kam es zu einer Annäherung zwischen Frankreich und Österreich.

Der französische König Ludwig XV. setzte ein sichtbares Zeichen der diplomatischen Annäherung: Er ließ das „Service mit den grünen Bändern“, ein überaus kostbares Tafel- und Dessertservice aus der Manufaktur Sèvres 1758 an Maria Theresia übersenden. Primär als Geste der Annäherung gedacht, sollte dieses Porzellanservice aber auch den exquisiten Geschmack des französischen Hofes in Wien eindrucksvoll vor Augen führen.

Das Grand Vermeil-Service

Das ursprünglich aus 40 Gedecken bestehende Grand Vermeilmit seinem klassischen, sich an der Antike orientierenden Formenrepertoire ist ein Hauptwerk der französischen Goldschmiedekunst.

Kaiser Franz II./I. ließ das Service, das einst der Vizekönig von Italien und Stiefsohn Napoleons, Eugène de Beauharnais, in Mailand verwendete, im Jahr 1816 nach Wien überstellen. Dieses Service, gefertigt aus vergoldetem Silber, französisch als vermeil bezeichnet, war das hochrangigste Service des kaiserlichen Hofes. Unter der Regentschaft von Kaiser Franz Joseph wurde das Grand Vermeil-Service immer wieder erweitert und auf 140 Gedecke aufgestockt. Es umfasst heute 4.500 Einzelobjekte.

Wenn der Kaiser zu Tisch bittet.

Im Ausstellungsteil Schloss Niederweiden liegt der Fokus auf der Epoche von Kaiser Franz Joseph. Es werden nicht nur Prunk und höfischer Glanz gezeigt, sondern auch der Kontrast zwischen „Sein und Schein“: Es wird auf die Herausforderungen eingegangen, mit denen die Hofbediensteten konfrontiert waren. Galt es doch, den hohen Ansprüchen, die am Kaiserhof herrschten, gerecht zu werden.

Die Hofsilber- und Tafelkammer

Festlich gedeckte Tafeln waren ein wichtiger Bestandteil der höfischen Repräsentation. Der hohe Anspruch an das kaiserliche Decorumdes Wiener Hofes erforderte eine prunkvolle Inszenierung der Tafeln. Dies beschränkte sich nicht nur auf ein exquisites Speisenangebot, sondern umfasste auch eine – im wahrsten Wortsinn – glanzvolle Präsentation, denn die Tafelgeschirre waren aus poliertem Edelmetall und feinem Porzellan. Es war die Aufgabe der Hofsilber- und Tafelkammer, die notwendigen Gerätschaften bereitzustellen.

Flink und geräuschlos

Bei einem Festbankett lief die Maschinerie des Hofes auf Hochtouren. Von den Obersten Hofchargen über das Livreepersonal bis hin zu den im Hintergrund wirkenden einfachen Hilfskräften – alle hatten eine genau definierte Aufgabe zu erfüllen. Es benötigte viele Hände, um den Kaiser als glänzenden Gastgeber erscheinen zu lassen.

Des Kaisers neue Tafelzier – Der neufranzösische Tafelaufsatz

Der Regierungsantritt von Kaiser Franz Joseph 1848 führte zu großen Umwälzungen in der Tafelkultur des Wiener Hofes: Die kaiserliche Tafel erhielt wieder verstärkt öffentlichen Charakter. Der junge Kaiser führte Hoftafeln und Seriendiners mit Funktionären der Staatsverwaltung, Militärs und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein. Diese „Geschäftsessen“ stellten neue Anforderungen an das Decorumder kaiserlichen Tafel.

Ein neuer, moderner und flexibel zusammenstellbarer Tafelaufsatz wurde angeschafft: Der sogenannte neufranzöische Tafelaufsatz. Trotz der ausladenden und wenig praktisch erscheinenden Formen ist der neufranzösische Tafelaufsatz äußerst funktional – denn die voluminösen Teile mussten ja für den jeweiligen Anlass rasch und flexibel auf die Tafel gesetzt werden können. Sie lassen sich daher leicht auseinandernehmen und in einer Art Baukastensystem neu zusammenstecken.

Französische Haute cuisine versus Wiener Hausmannskost

Es herrschte ein hoher Anspruch an die Qualität und Aufmachung der Speisen – immerhin stand der Wiener Hof in Konkurrenz zu anderen Höfen Europas. Die häufige zu lesende Behauptung, dass am Habsburgerhof die Wiener Küche mit all ihren Einflüssen aus den Kronländern dominant gewesen wäre, lässt sich bei Betrachtung der Menüfolgen nicht bestätigen. Höchstens im privaten Bereich machten sich auch Einflüsse heimischer Küchentraditionen bemerkbar. Bei offiziellen und formalen Essen dominierte jedoch stets die französische Küche, nur vereinzelt ergänzt durch heimische Gerichte, die der Speisenfolge eine gewisse österreichische Note gaben.

Das „Flaggschiff“ – Die Große Hofküche in der Hofburg

Die Küche ist nicht ein einzelner Raum, sie ist eine kleine Stadt von Räumen. Wenn es heisst: es wird für den Kaiser gekocht, dann bedeutet das, es drehen sich für ein paar hundert Personen die Spiesse, glühen die Rohre und Roste, erhitzen sich diese Gerichte und erstarren jene in Eis.“

(Zitat aus "Viribus unitis - Das Buch vom Kaiser", 1898)

Kaiserliche Tafelschätze

18. März 2022 bis 1. November 2023

Eine Ausstellung auf zwei Standorten – Schloss Hof und Schloss Niederweiden

Ausstellungwebseite mit Besucherinfos:
www.schlosshof.at

Eine Sonderausstellung der Schönbrunn Group unter der Direktion von Klaus Panholzer am Standort Schloss Hof in Zusammenarbeit mit der Abteilung V/2 Kulturelles Erbe - Historische Sammlungen des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und der Bundesmobilienverwaltung.

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