Die Ungarn kommen: Kaiser Friedrich III. gegen Matthias Corvinus

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Ende des 15. Jahrhunderts besetzten die Ungarn große Teile der habsburgischen Länder. Ein letztes Mal überlebte der alte Kaiser Friedrich III. aber einen seiner Gegner und trug damit den Sieg davon.

Nach dem Tod seines verfeindeten Bruders Albrecht VI. hatte Kaiser Friedrich III. wieder etwas mehr Spielraum. Diesen nutzte er, um erneut in Böhmen und Ungarn zu intervenieren. Damit entstanden jedoch auch neue Konflikte mit diesen Ländern. In Ungarn war 1458 Mátyás (Matthias) Hunyadi, ein Adeliger, der sich den Beinamen Corvinus gab, mit erst 15 Jahren von den Ständen zum König gewählt worden. Matthias hatte den ehrgeizigen Plan, Böhmen, Ungarn und die österreichischen Länder zu vereinen – und sollte damit zunächst recht erfolgreich sein.

Matthias Corvinus startete „Kreuzzüge“ gegen den böhmischen König und gegen die Türken, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts immer weiter nach Mitteleuropa vordrangen. 1469 ließ er sich zum böhmischen Gegenkönig wählen. Mit Kaiser Friedrich III. schloss er zwar zunächst einen Vertrag, der aber nicht lange für Frieden sorgte: Matthias ging Bündnisse mit den österreichischen Ständen ein, die mit dem Kaiser unzufrieden waren. 1477 erklärte er dem Kaiser den Krieg und startete seinen Angriff auf die habsburgischen Erblande. Seine Armee von angeblich 17.000 Mann war für damalige Verhältnisse außergewöhnlich groß.

Der Kaiser floh nach Westen und war zunächst zu Zugeständnissen bereit. Doch der Krieg ging weiter: Matthias Corvinus brachte zahlreiche österreichische Städte auf seine Seite; der Kaiser hatte dem nicht viel entgegenzusetzen. Schließlich belagerten die Ungarn die Stadt Wien, die kapitulieren musste. Matthias zog am 1. Juni 1485 triumphierend in die österreichische Hauptstadt ein; er residierte ab nun hauptsächlich in Wien und nannte sich „Herzog von Österreich“. Das Dach des Stephansdoms ließ er mit den ungarischen Farben schmücken. Von Wien aus koordinierte Matthias weitere Eroberungen in Niederösterreich und der Steiermark – mit Erfolg: Zwei Jahre später fiel auch Wiener Neustadt.

Doch wieder einmal kam Kaiser Friedrich III. seine Ausdauer zugute: 1490 starb nämlich der Ungarnkönig 47-jährig in Wien, ohne einen legitimen Erben zu hinterlassen. Der alte Kaiser überlebte somit zum letzten Mal einen Gegner. Die Macht der Ungarn in Österreich zerfiel, Friedrichs Sohn Maximilian I. konnte in Wien einziehen und zum Gegenschlag übergehen. Er sicherte sich den Anspruch auf Ungarn, der einige Jahrzehnte später schlagend werden und das Habsburgerreich beträchtlich erweitern sollte.

Stephan Gruber