Habsburgs Etablierung auf dem Königsthron

Druckversion

Trotz der Uneinigkeit innerhalb der Familie konnten die Habsburger im 15. Jahrhundert ihre Landesherrschaft absichern. Außerdem übernahmen sie die römisch-deutsche Königswürde.

Anfang des 15. Jahrhunderts dominierten in der Familie Habsburg Streitigkeiten um die Regierungsbeteiligung. Herzog Friedrich IV., der in Tirol und den Stammlanden am Oberrhein herrschte, kam zunehmend in Bedrängnis. Wegen eines Konflikts mit dem Kaiser wurde die Reichsacht über ihn verhängt, seine Länder wurden ihm aberkannt und er wurde gefangen genommen. Der Herzog konnte zwar 1416 flüchten und die Regierung in Tirol wieder übernehmen, doch die aargauischen Stammlande der Familie gingen zu dieser Zeit endgültig an die Eidgenossen verloren.

In Österreich trat 1411 Herzog Albrecht V. seine Regentschaft als Landesfürst an, nachdem der Streit um seine Vormundschaft zwischen seinen Onkeln Ernst „dem Eisernen“ und Leopold IV. durch den plötzlichen Tod Leopolds gelöst worden war. Albrecht tat sich als Kämpfer gegen Andersgläubige hervor: Die Lage in Böhmen war damals explosiv – die Hinrichtung des Reformators Jan Hus als Ketzer 1415 führte zu massiven religiösen und sozialen Unruhen. Albrecht unterstützte nun seinen Schwiegervater, den böhmischen König und römisch-deutschen Kaiser Sigismund, bei dessen „Ketzerbekämpfung“.

Albrechts Gewalt gegenüber Andersgläubigen richtete sich auch gegen Juden: 1420 begann mit der „Wiener Gesera“ auf Befehl Albrechts die planmäßige Vernichtung der jüdischen Gemeinden im Herzogtum Österreich. Benannt ist die Gesera nach einem Dokument, das über diese gewalttätigen Ereignisse berichtete. Reiche Juden wurden gefangen genommen und gefoltert, ärmere vertrieben. Viele der Gefangenen sahen ihren einzigen Ausweg im Selbstmord. Über 200 der verbliebenen Frauen und Männer wurden schließlich vor der Stadt Wien auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

1437 starb Kaiser Sigismund. Sein Schwiegersohn Albrecht erbte die Königswürde in Böhmen und Ungarn. 1438 wurde er als Albrecht II. auch zum römisch-deutschen König gewählt. Diese Machtfülle von drei Kronen versuchte Albrecht für die propagandistische Aufwertung seiner Familie zu nutzen. Die Durchsetzung seiner Macht erwies sich jedoch als schwierig: Im Heiligen Römischen Reich hatte Albrecht wenige Möglichkeiten. In Böhmen war die Opposition nach wie vor stark. Und in Ungarn drangen die Türken immer weiter vor. Albrecht plante einen Feldzug gegen diese „Feinde der Christenheit“, während dessen er jedoch an der Ruhr erkrankte. Er starb nur eineinhalb Jahre nach seiner Wahl zum römisch-deutschen König.

Stephan Gruber