Edmund Tietz: Fuhrwerke am Linienwall, um 1895

Von der glanzvollen City in die anrüchigen Suburbs

In der Residenzstadt lebten nicht nur Kaiser und Adel

1815–1918

Woran denken Sie, wenn Ihnen die Kaiserstadt Wien in den Sinn kommt? Wohl eher an die prachtvollen Bauten der Ringstraße und die schönen Künste als trostlose Elendsviertel und stinkende Fabriken.

Wien – vor allem das Wien der Jahrhundertwende – steht für Modernität, Urbanität und hochkulturelle Leistungen in Literatur und Malerei. Es wird assoziiert mit der Ringstraße, den bürgerlichen Salons und Kaffeehäusern der Inneren Stadt. Wenig Beachtung findet dabei das Wien der Vorstädte und Vororte mit den Zinskasernen für die Arbeiterschaft und Fabriken; wahrscheinlich, weil es das fremdenverkehrswirksame Image vom schönen Wien in Frage stellen würde. Schon zeitgenössische Berichte assoziierten die Vororte und ihre BewohnerInnen mit Unordnung, Krankheit, Kriminalität und Pöbel – Orte also, von denen ständig die Gefahr eines gesellschaftlichen Umsturzes ausging.

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