Wohnen in bester Lage – In Nachbarschaft zu den Habsburgern

Katasterplan von Schönbrunn und Umgebung, 1869

Landkarte Wien Umgebung, 19. Jahrhundert

Karte des k.k. Polizei-Kommissariates Hietzing,1853

Als passende Nachbarn wünschten sich die Habsburger Adelige und wohlhabende Bürgerliche, die sich im Glanz des Kaiserhauses sonnten.

Katasterplan von Schönbrunn und Umgebung, 1869

Landkarte Wien Umgebung, 19. Jahrhundert

Karte des k.k. Polizei-Kommissariates Hietzing,1853

Im Zentrum der Residenzstadt befand sich der kaiserliche Hof, ein wenig außerhalb der Stadt das Schloss Schönbrunn. Beide übten große Anziehungskraft auf Teile der Wiener Bevölkerung aus und bestimmten so das Stadtbild mit. ‚Nachbarn‘ der Habsburger waren der Adel und das reiche Großbürgertum, das entlang der Ringstraße oder in den unverbauten Vororten prächtige Palais errichten ließ, um nahe der kaiserlichen Residenz zu sein. In der Inneren Stadt – dem heutigen 1. Bezirk, der bis 1857 von einer Stadtmauer umgeben war – wurden vor allem Häuser mit teuren Großraumwohnungen gebaut, die sich etwa bürgerliche Großhändler leisten konnten. In solch teuren Wohnungen lebten außerdem hohe Beamte, die entsprechend ihrem gesellschaftlichen Status nahe dem kaiserlichen Hof und standesgemäß wohnen sollten – zumal sich in der Nähe zur kaiserlichen Burg das Regierungs- und Verwaltungsviertel befand. Zwischen diesen reichen InnenstadtbewohnerInnen siedelten sich Luxushandwerker an, die sich durch den nahen Hof und das reiche Großbürgertum und den Adel gute Absatzmöglichkeiten für ihre Produkte erhofften.

Für die ArbeiterInnen, kleinen Gewerbetreibenden und sozialen Unterschichten, die einen großen Teil der Wiener Bevölkerung ausmachten, war in der exklusiven Innenstadt kein Platz. Die Gewerbetreibenden wie Schuster oder Kleidermacher siedelten sich vor allem in den Vorstädten an; in ihren Häusern befanden sich gleichzeitig Wohnungen, Werkstätten und Verkaufsläden. Der Großteil der ArbeiterInnen wohnte noch weiter entfernt vom Zentrum Wiens: Aus Kostengründen lebten sie großteils in den Vororten außerhalb des Linienwalls. Sie mussten möglichst billig unterkommen und essen und lebten deshalb in den Vororten und Vorstädten Wiens in Kleinwohnungen von Zinskasernen und engen Wohnungen, wo die Mieten vergleichsweise gering waren und keine Verzehrsteuer zu bezahlen war. Nach der zweiten Wiener Stadterweiterung 1890/92 und der Eingemeindung der Vororte waren dies folglich auch die Gebiete mit dem höchsten Bevölkerungswachstum. Zwischen Wohnort und Arbeitsplatz bestand im 19. Jahrhundert ein enger Zusammenhang: In den Vororten und entlang der Eisenbahnstrecken siedelten sich nämlich auch zahlreiche Fabriken an, weil dort die Bodenpreise relativ niedrig und die Transportmöglichkeiten per Eisenbahn günstig waren. Die dort wohnenden ArbeiterInnen würden sich zudem kaum über die Geruchs- oder Lärmbelästigung der Fabriken beschweren.

Das Bürgertum hingegen sah im regen Zuzug der ArbeiterInnen und Fabriken eine Abwertung ‚ihrer‘ ehemaligen Erholungsgebiete. In der nahen Umgebung des Schlosses Schönbrunn wohnten ebenfalls reiche GroßbürgerInnen, die ihre großzügigen Landhäuser und Villen für die ‚Sommerfrische‘ nutzten.

Christina Linsboth