"Promenade vor der Burgbastei (vor 1800)", nach einem Aquarell von L. Janscha

(Neu-)Ordnung der Stadt

Von der Stadtmauer zur Ringstraße

1770–1913

„Es ist mein Wille …“: Am 20. Dezember 1857 verordnet Kaiser Franz Joseph seiner Residenzstadt ein neues Gesicht. Anstelle von Stadtmauer und unwegsamem Militärgelände soll eine dem Stellenwert der Hauptstadt der Monarchie angemessene Prachtstraße entstehen. Die Wehranlagen mussten verschwinden – sie hatten schon längst ausgedient. Auf den Basteien und am Glacis, einer unbebauten Grünfläche vor der Stadtmauer, promenierte das Wiener Bürgertum. Das Militär jedoch wollte die Verteidigungsanlagen erhalten. Ein Festungsdreieck rund um die innere Stadt, das im Falle einer Revolution auch das eigene Volk abwehren konnte, sollte Schutz bieten. Per kaiserlichem Dekret wurde schließlich die Stadtmauer demoliert, Wien glich ab 1858 jahrelang einer riesigen Baustelle. Die Neugestaltung der Stadt rief heftige Debatten hervor – Bewahrer und Modernisierer standen einander gegenüber. Statt des Exerziergeländes setzte sich das Wiener Bürgertum ein Zeichen – mit Parlament, Rathaus und Universität.

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