Johann Zoffany: Kaiser Franz Stephan I. in seinen naturhistorischen Sammlungen, Ölgemälde, 1776/77

Auf zu neuen Ufern

Habsburgischer Forscherdrang

1751–1884

Der Kaiser hinter dem Mikroskop, der Kronprinz in der Studierstube? Kein ungewöhnliches Bild im Hause Habsburg. Insbesondere Botanik und Zoologie könnte man als ‚typisch‘ habsburgische Wissenschaftszweige bezeichnen, wo durchaus wissenschaftliche Meilensteine unter dem Zeichen des Doppeladlers gesetzt wurden.

Manche Habsburger waren dabei nicht nur Mäzene und Geldgeber, sondern auch persönlich interessiert und in den Forschungsprozess involviert. Kronprinz Rudolf etwa war z. B. auf dem Gebiet der Ornithologie fachlich auf der Höhe der Zeit und konnte auf bedeutende Publikationen verweisen.

Die habsburgische Monarchie war aber kein ‚big player‘ im europäischen Wettstreit um die Aufteilung der Welt, wo nach den Entdeckungen die Erkundung folgte. Anders als die Niederlande oder England besaßen die österreichischen Habsburger keine überseeischen Kolonien, wo die wirtschaftliche Ausbeutung mit der wissenschaftlichen Erkenntnis Hand in Hand gingen. Die habsburgischen Entdeckungsfahrten steuerten eher Mosaiksteinchen für das ‚große Bild‘ bei.

Aber auch die Weiten der Monarchie selbst boten genügend Forschungsmaterial. Deren entlegendste Gebiete waren aus dem zentralistischen Blickwinkel Wiens mindestens genauso exotisch wie ferne Küsten. Hier kam neben dem Bedarf an verlässlichem Datenmaterial für die Verwaltung nicht zuletzt auch der Aspekt des Staatspatriotismus zum Tragen: „Einheit in der Vielfalt“ stand als Hauptgedanke über der systematisierten Erforschung der Monarchie.

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