Zwangspensionierung für Jesuiten

Kupferstich auf die Aufhebung der Klöster durch Joseph II., um 1782

Mit 'protestantischen' Maßnahmen bekämpften Maria Theresia und Joseph II. den Barockkatholizismus.

Alle Bürger des Staats sind Unterthanen des Staats. Die Clerisey ist ein Theil der Bürger des Staats, folglich mach die Clerisey einen Theil der Unterthanen des Staats aus. […] Die Clerisey kann also nicht unabhängig seyn und wenn sie sich als unabhängig zu betrachten und zu betragen unternehmete, würde sie sich eines ungezweifelten Staatsverbrechens schuldig machen […]

Maaß Ferdinand: Der Josephinismus (2. Bd.: Quellen zu seiner Geschichte in Österreich 1760-1970, amtliche Dokumente aus dem Haus-, Hof-, und Staatsarchiv und dem allgemeinen Verwaltungsarchiv in Wien) Herold, Wien 1953, 344. Zit in: Vocelka, Karl: Der "Josephinismus" in der maria-theresianischen Epoche. In: Österreich zur Zeit Kaiser Josephs II. Mitregent Kaiserin Maria Theresias, Kaiser und Landesfürst. Katalog des niederösterr. Landesmuseums (gleichnamiger Titel der niederösterr. Landesausstellung vom 29. März – 2. November 1980, Stift Melk), Wien 1980 (4. Aufl.), 148-152, hier 150f.

Kupferstich auf die Aufhebung der Klöster durch Joseph II., um 1782

Seit dem Konzil von Trient (1545 bis 1563) wurde die Rekatholisierung (Gegenreformation) in der Habsburgermonarchie forciert. Getragen wurde die Gegenreformation hauptsächlich von den Jesuiten. Sie fand bis zum 17. Jahrhundert Ausdruck in den vermehrten Kloster- und Ordensgründungen. Dem verschwenderischen Barockkatholizismus – der wegen der zölibatären Lebensweise ohnehin der prokreativen Bevölkerungspolitik im Wege stand – trat im 18. Jahrhundert eine staatlich rationale Kirchenpolitik entgegen. Mit Idealen der Aufklärung wollten Maria Theresia und Joseph II. die Vormachtstellung der katholischen Kirche brechen und sie unter die staatliche Obhut bringen.

Zuerst galt es, sämtliche Orden und Ordensmitglieder zu reduzieren sowie deren Einfluss auf die Volksbildung zurückzudrängen. Die Aufhebung des Jesuitenordens 1773 stand daher ganz im Zeichen dieser Reformpolitik. Auch die ursprünglichen im Hause Österreich tätigen jesuitischen Beichtväter wurden durch jansenistische ersetzt, wodurch aufgeklärte Reformströmungen der katholischen Kirche mehr zum Zug kamen.

Maria Theresia reagierte bei der Aufhebung des Jesuitenordens auf internationale Tendenzen. Da die Jesuiten in den 1760er Jahren aus Portugal, Spanien, deren Kolonien, Spanien, Neapel, Parma und Frankreich vertrieben worden waren, bemühten sich die Herrscher dieser Staaten um eine Legalisierung dieser Aktion. Über Betreiben der Bourbonen sah sich der Papst Clemens XIV. gezwungen, im Breve „Dominus ac Redemptor“ den Jesuitenorden aufzuheben.

Die Aufhebung des Ordens hatte weit reichende Folgen, weil den ehemaligen Jesuiten auch die Vormachtstellung im universitären Bereich entzogen wurde. Vor allem ihr Einfluss auf theologische Fakultäten, die Weltpriesterausbildung und die Bücherzensur wurde zugunsten staatlicher Verwaltung zurückgedrängt.

Aus dem konfiszierten kirchlichen Vermögen erhielten die Ex-Jesuiten als Abfindung Pensionen ausbezahlt. Viele von ihnen fanden sich auch in Lehrberufen wieder, da aufgrund der Umstrukturierungen im Bildungswesen ein großer Bedarf an Lehrpersonal bestand.

Anita Winkler