Wiederverwertung bis zum Tod

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Der Tod – ein schier unsterbliches Thema. 'Klappe auf, Klappe zu. Der Tote findet seine Ruh'. So etwa sahen die Nützlichkeitserwägungen beim 'josephinischen Sarg' aus.

Den Höhepunkt erreichten die Einsparungsvorschriften Josephs II. Sparsinn 1784 mit der vorgeschriebenen Verwendung von Gemeindesärgen. Der Leichnam sollte nun ohne Kleider lediglich in einen Sack eingenäht in einen ‚Sparsarg‘ gelegt werden. Der Boden dieses Sarges war an der Unterseite mit einer Klappe versehen, durch die man den Toten ins Grab fallen ließ. Solcherart war der Sarg mehrmals zu verwenden. Zudem sollten auch die schönen Kleider, welche man üblicherweise dem Toten anzog, für die Lebenden von Nutzen sein. Joseph II. wollte mit dem ‚Sparsarg‘ vor allem auch die Hygiene fördern, da der Leichnam ohne Holzsarg einer rascheren Verwesung ausgesetzt sei und folglich das Grab in schnellerer Folge wiederzubelegen war.

Aufgrund der allgemeinen Entrüstung über den ‚Sparsarg‘ musste Joseph II. bereits nach sechs Monaten sein diesbezügliches Dekret zurücknehmen. Anerkannt war hingegen Josephs Maßnahme, die Friedhöfe vor die Ortschaften zu verlegen, damit das Grundwasser nicht verunreinigt wurde. Man hatte bereits in den 1770er Jahren damit begonnen, doch waren nun auch alle kleineren Ortschaften an diese Anweisung gebunden. Mit der Einschränkung von kirchlichen Feiertagen und der Konzentrierung der Kirtage auf den so genannten ‚Kaiserkirtag‘ am dritten Sonntag im Oktober rief Joseph jedoch weiteren Unmut in der Bevölkerung hervor. Besonders Handwerker und DienstbotInnen waren von der damit ansteigenden Zahl von Arbeitstagen betroffen.

Pomp und Prunk bei kirchlichen Festen wurden gegen schlichtere Zeremonien ersetzt. Die von Joseph II. oktroyierte Schlichtheit manifestierte sich auch an seinem eigenen Sarg. In einem schmucklosen Kupfersarg beigesetzt, befindet er sich in der Kaisergruft neben den anderen prunkvollen HerrscherInnen-Särgen.

Anita Winkler