Was auf den Tisch kommt, wird gegessen! Eine kleine Geschichte der Kartoffel

Schönbrunn, altes Palmenhaus, Radierung

Wie es der 'Apfel aus der Erde' von den vornehmen Gärten der Monarchie auf den täglichen Speiseplan schaffte.

Schönbrunn, altes Palmenhaus, Radierung

Bei einem Blick auf unseren heutigen Speiseplan ist es kaum vorstellbar, dass die Kartoffel erst vor rund 500 Jahren nach Europa kam. Bis die Frucht aber allgemein verbreitet und von der Mehrheit der Menschen angebaut und verspeist wurde, dauerte es noch lange. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte sich die Kartoffel als wesentliches Nahrungsmittel in weiten Teilen der Habsburgermonarchie durch. Zunächst war sie ein exklusives Gut, das in den botanischen Gärten des Hofes und des Adels oder in Klostergärten gezüchtet wurde. In bürgerlichen Kreisen galt der Erdapfel als fortschrittlich und vornehm. Bei den sozialen Unterschichten wurde die Frucht beliebt, weil sie relativ einfach und billig angebaut und verkocht werden konnte und außerdem im Vergleich zu Getreidesorten weit höhere Erträge lieferte. Besonders verbreitet war die Kartoffel in Vorarlberg, im Tiroler Oberinntal, im oberösterreichischen Mühlviertel und im niederösterreichischen Waldviertel. Für Anbau und Ernte benötigten die Menschen weder eine große landwirtschaftliche Fläche noch teure Gerätschaften oder gar Tiere. Einen ähnlich ‚geringen‘ Arbeitsaufwand verursachte der Anbau von Mais, der sich etwas früher als die Kartoffel durchsetzte. Beide wurden vor allem auf jenen Flächen angepflanzt, auf denen andere Getreidesorten wenig ertragreich waren. Die Kriege des 18. Jahrhunderts beförderten ebenfalls die Verbreitung von Mais und Kartoffel: Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) und die Napoleonischen Kriege am Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts lösten Hungersnöte aus, in denen billige und ertragreiche Früchte einen Ausweg für die Bevölkerung darstellten. Der Bayrische Erbfolgekrieg (1778/79) wurde von den ZeitgenossInnen als ‚Kartoffelkrieg‘ bezeichnet, weil Probleme beim Nachschub die Soldaten veranlassten, Dörfer auf der Suche nach Nahrung zu plündern.

Christina Linsboth