Wallenstein – Diagnose: Mord

Karl Theodor von Piloty: Der Hofastrologe Seni vor der Leiche Wallensteins, Ölgemälde

Aus einer protestantischen böhmischen Adelsfamilie zum wichtigsten Feldherrn des katholischen Kaisers: Die spektakuläre Karriere Albrechts von Wallenstein endete mit seiner Ermordung.

Den 25. Februar ist der Generalissimus Hertzog von Friedtland Wallnstein sambt den Grafen Terzky und Kinski in Eger uf keyserlichen Befehl von etlichen Officirern ums Leben gebracht worden, wegen großer entdeckter Verrätherey, darauf der König in Ungarn Ferdinand der III. darzue begehret worden. Ich habe zu Eger das Zimmer, welches 2 Stubenthüren hat, in welchen auch des Wallnsteines Bludt, selber gesehen, in dem es nicht ausgeleschet werden kann, auch die Stiege, wo er als ein Aas mit dem Füßen hienunter geschleppet worden, und ist also der vor einer Stunden ein großer Hertzog wahr, iezo der allergeringste und unwürdige Mensch worden, so kann der Herr die Gewaltigen vom Stuhl stoßen.

Der Gräflich Schwarzburg-Rudolstädtische Kriegskommissar, Steuereinnehmer und Landrichter Michael Heubel in seinen Memoiren über die Ermordung Wallensteins 1634

Karl Theodor von Piloty: Der Hofastrologe Seni vor der Leiche Wallensteins, Ölgemälde

Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein, der wichtigste Feldherr Kaiser Ferdinands II., ist heute einer der bekanntesten Akteure des Dreißigjährigen Krieges. Als adeliger Protestant geboren, konvertierte er zum Katholizismus und stieg in Böhmen auf: Er heiratete reich und profitierte nach der Niederschlagung der Rebellion von den Zwangsenteignungen der Protestanten. 1625 wurde er Herzog von Friedland, weshalb er auch der „Friedländer“ genannt wird.

In den 1620er Jahren stellte Wallenstein auf eigene Kosten ein Heer mit 20.000 bis 40.000 Mann auf, in dem Söldner aller Konfessionen zu finden waren. Die Plünderungserlaubnis war Teil seiner Kriegsführung nach dem Motto „Der Krieg ernährt den Krieg“. Seine militärischen Erfolge machten Wallenstein aus Sicht der Reichsfürsten zu mächtig: Sie entließen ihn 1630 am Regensburger Kurfürstentag. Wallenstein zog nun möglicherweise in Betracht, die Seite zu wechseln – er nahm Kontakt zu den Schweden auf. Doch nach dem Tod des Feldherrn Tilly kehrte Wallenstein 1632 zurück: Er wurde Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee und bekam weitreichende Vollmachten.

In der Schlacht bei Lützen musste Wallenstein trotz der Tötung des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf eine Niederlage hinnehmen. Aus seiner Sicht waren Verrat und Feigheit die Gründe – er ließ zwölf Offiziere und fünf Soldaten hinrichten, auf 40 Deserteure setzte er ein Kopfgeld aus. Wenig später konnte er zwar die Schweden vertreiben, doch seine Karriere nahm ein schlechtes Ende: Seine eigenmächtigen Friedensverhandlungen erregten das Misstrauen des Wiener Hofes. Wallenstein wurde Hochverrat vorgeworfen, im Jänner 1634 wurde er per Geheimbefehl Ferdinands II. abgesetzt. Auf seiner Flucht wurde der Feldherr am 25. Februar 1634 in Eger (heute Cheb in der Tschechischen Republik) von fünf kaiserlichen Offizieren ermordet. Auch einige seiner Offiziere und deren Diener, die sich ebenfalls in Eger befanden, wurden niedergemetzelt. Die am Sturz und der Ermordung beteiligten Männer wurden reich belohnt.

Die Person Wallenstein polarisiert: Die einen bezeichnen ihn als potenziellen Friedensstifter Europas, die anderen als Hochverräter, der möglicherweise die Habsburger absetzen oder selbst böhmischer König werden wollte. Besonders im 19. Jahrhundert wurde er, unterstützt von der Trilogie „Wallenstein“ von Friedrich Schiller, zu einer Symbolfigur deutscher Nationalerinnerung.

Stephan Gruber