Kaiser Ferdinand II. im Machtrausch

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Nach der Niederschlagung des böhmischen Aufstands war Ferdinand II. am Höhepunkt seiner Macht. Der Krieg war damit allerdings nicht vorbei, im Gegenteil: Er breitete sich aus.

Das größte und mit blutigen Threnen zu beweinende Unglück ist auch unter andern in diesem Jahr gewesen, dass die Päbstischen an vielen Orthen die reine evangelische Lehre expelliret und den päbstlichen antichristlichen Greuel wieder introduciret, als im Stift Halberstadt, Minden, Bremen, in dem Stift Walkerode, Illfeld und andern. Auch ist in diesem Jahre das beschwerliche Religions Edict von dem Kayser Ferdinando secundo publiciret worden.

Der gräfliche Hofrat Volkmar Happes in seiner Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg über das Jahr 1629

1620 war nicht nur für Böhmen, sondern für alle habsburgischen Länder das Jahr, nach dem es den nicht-katholischen Gruppierungen im übertragenen wie im wörtlichen Sinn an den Kragen ging. Die „Vernewerte (= erneuerte) Landesordnung“ von 1627 war der Abschluss einer Reihe von Maßnahmen, mit denen die absolutistische Herrschaft in Böhmen ausgebaut wurde: Mit diesem Dokument wurde Böhmen zum habsburgischen Erbreich erklärt. Innerhalb kurzer Zeit wurden auch die anderen habsburgischen Länder rekatholisiert, alle anderen christlichen Konfessionen wurden verboten.

Kaiser Ferdinand II. setzte die Gegenreformation brutal durch, doch bedurfte es noch längere Zeit und des intensiven Wirkens gegenreformatorischer Orden, um sein Land endgültig wieder zum Katholizismus zu führen. Zu diesem gewaltloseren Programm gehörten Schulen der Jesuiten und Piaristen, Universitäten, barocke Kirchen- und Klosterbauten, die besonders in Böhmen ausgeprägte Johannes-Nepomuk-Verehrung und Wallfahrten. Obwohl nur mehr der Katholizismus erlaubt war, lebten zahlreiche Menschen als GeheimprotestantInnen weiter im Land.

Der Dreißigjährige Krieg verlief für Ferdinand II. zunächst günstig: Nach dem Sieg in Böhmen stießen die katholischen Truppen bis in die Pfalz, nach Westfalen und Niedersachsen vor. Mit dem dänischen König Christian IV. kam ein neuer Gegner dazu, der den Protestantismus verteidigen wollte. Er wurde von Frankreich, England und den Niederlanden finanziell unterstützt. Die katholischen Militärs – Tilly als Heerführer der Liga, Wallenstein als Feldherr der kaiserlichen Armee – konnten aber für Erfolge gegen Dänemark sorgen.

Ende der 1620er Jahre befand sich Ferdinand II. am Höhepunkt seiner Macht: Der dänische König musste kapitulieren. Ferdinand II. erließ 1629 das Restitutionsedikt, das die Rekatholisierung aller seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 verlorenen Kirchengüter vorsah – eine existenzielle Bedrohung für zahlreiche evangelisch gewordene Gebiete. Mit diesem Schritt überspannte er jedoch den Bogen, denn er beendete damit die Tradition des Kaisers als Wahrer von Recht und Frieden im Heiligen Römischen Reich. Nun bekamen auch seine Verbündeten Angst und leisteten Widerstand. 1630 entließen die Fürsten des Reiches den wichtigsten kaiserlichen Feldherrn Wallenstein, Tilly übernahm den Oberbefehl. Ab nun musste Ferdinand II. Rückschläge in seiner kompromisslosen Politik hinnehmen.

Stephan Gruber