Joachim von Sandrart: Herzog Maximilian I., Kurfürst von Bayern, um 1643

Schlacht am Weißen Berg bei Prag, Druck

Das Prager Blutgericht vom 21. Juni 1621, Kupferstich, um 1621

Bílá Hora – Ein tschechisches Trauma

Joachim von Sandrart: Herzog Maximilian I., Kurfürst von Bayern, um 1643

Schlacht am Weißen Berg bei Prag, Druck

Das Prager Blutgericht vom 21. Juni 1621, Kupferstich, um 1621

Ein protestantisches Land wird katholisch: Nach dem Sieg in der Schlacht am Weißen Berg ging der katholische Kaiser Ferdinand II. brutal gegen die Aufständischen vor.

Den 8. November stylo novo anno 1620 haben die beyden mechtigen Armaden, als die Keyserlich und König Friedrichs Pfaltzgrafens vor Prag auf dem Weißenberger ein starcke Generalfeldschlacht gehalten, da beyderseits ritterlich gefochten und viel tausend Mann erschlagen worden. Endlichen haben die Keyserlichen die Victori erhalten, die Böhmen in die Flucht geschlagen und hat der unglückseelige König Friedrich mit seiner Gemahlin und Kindern sich selbigen Tages aus dem Königreich flüchtig davon machen müssen.

Der gräfliche Hofrat Volkmar Happes in seiner Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg über die Schlacht am Weißen Berg

Joachim von Sandrart: Herzog Maximilian I., Kurfürst von Bayern, um 1643

Schlacht am Weißen Berg bei Prag, Druck

Das Prager Blutgericht vom 21. Juni 1621, Kupferstich, um 1621

Nach dem Prager Fenstersturz übernahmen zunächst die Aufständischen das Kommando in Böhmen: Sie erklärten die Königswahl Ferdinands II. für ungültig und machten stattdessen im August 1619 den Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz zum neuen König. Dieser sollte jedoch nur für kurze Zeit an der Macht bleiben, weshalb er den spöttischen Namen „Winterkönig“ erhalten hat. Ferdinand II. schloss nach seiner Kaiserwahl im September 1619 ein Bündnis mit seinem Cousin Herzog Maximilian I. von Bayern. Damit sicherte er sich die Unterstützung der katholischen Liga. Bayrische Truppen unter dem Feldherrn Graf Tilly besetzten daraufhin das ebenfalls aufständische Oberösterreich und führten dort radikal die Gegenreformation durch.

Ab Sommer 1620 rückten die katholischen Truppen nach Prag vor. Am 8. November 1620 fand die Entscheidung statt, die mit einem Schlag alle Probleme Ferdinands II. löste: In der Schlacht am Weißen Berg (tschechisch Bílá Hora) bei Prag besiegte der Kaiser mit Hilfe der katholischen Liga die protestantischen böhmischen Stände. 21.000 Soldaten der Aufständischen waren der Allianz von 14.000 Ligisten und 12.000 Soldaten des Kaisers unterlegen – die Schlacht war in weniger als zwei Stunden vorbei, rund 2.000 Soldaten fielen. Der Sieg wurde der heiligen Maria zugeschrieben, deren Verehrung die Katholiken von den Protestanten schied.

Die Schlacht hatte schwerwiegende Folgen für Böhmen: Der „Winterkönig“ Friedrich von der Pfalz musste fliehen, Ferdinand II. war wieder der Herrscher. Am 21. Juni 1621 ließ er ein Blutgericht abhalten: 27 Menschen wurden vor Publikum hingerichtet, einige Köpfe wurden noch jahrelang an öffentlichen Plätzen zur Schau gestellt. In den böhmischen Ländern erfolgte die gewaltsame Rekatholisierung, die auch auf die österreichischen Länder übertragen wurde. Der Kaiser verhängte scharfe Strafmaßnahmen über das Land: Viele Protestanten flohen oder wurden vertrieben. Grundbesitzungen wurden zugunsten der Katholiken umverteilt. Von den großen Vermögensumschichtungen profitierte etwa der habsburgische Feldherr Albrecht von Wallenstein. Die Schlacht am „Bílá Hora“ wurde aufgrund ihrer brutalen Folgen zum Trauma für das Land: Die tschechische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts bezeichnete die Zeit nach der Schlacht am Weißen Berg bis zur nationalen Wiedergeburt der Tschechen als „doba temna“ („dunkle Zeit“).

Stephan Gruber