Von Sarajewo nach Artstetten – Letzte Ruhestätte Franz Ferdinands

Blick auf Schloss Artstetten von der Löwenstiege

Franz Ferdinand im Familienkreis, Postkarte, 1913

Attentat von Sarajevo, Zeitungsillustration, 1914

Blick in die Gruft von Artstetten mit den Sarkophagen von Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gemahlin Herzogin Sophie von

Ansicht von Schloss Artstetten, Illustration

Am 28. Juni 1914 wurden der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie erschossen. Das Attentat von Sarajewo gilt als unmittelbarer Anlass für die Julikrise, die zum Ersten Weltkrieg führte. Doch warum wurde das Thronfolgerpaar nicht in der Kaisergruft bestattet?

Blick auf Schloss Artstetten von der Löwenstiege

Franz Ferdinand im Familienkreis, Postkarte, 1913

Attentat von Sarajevo, Zeitungsillustration, 1914

Blick in die Gruft von Artstetten mit den Sarkophagen von Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gemahlin Herzogin Sophie von

Ansicht von Schloss Artstetten, Illustration

Mit dem Kauf durch Kaiser Franz I. kam das in der Nähe von Melk in Niederösterreich liegende Schloss Artstetten 1823 in den Besitz der Familie Habsburg. Franz I. vererbte das Anwesen seiner vierten Ehefrau, der Kaiserin Caroline Auguste, und diese wiederum ihrem Enkel Carl Ludwig, dem zweitältesten Bruder Franz Josephs.

Der Erzherzog ließ das Gebäude außen und innen aufwändig renovieren und einen großen Park anlegen. Er hielt sich dort einige Wochen im Frühling und Sommer auf, bis 1866 Kaiser Maximilian von Mexiko seinem Bruder Artstetten abkaufte. Maximilian konnte sein neu erworbenes Anwesen jedoch nie nutzen, da er ein Jahr später bereits in Mexiko hingerichtet wurde. So kam es wieder in den Besitz Carl Ludwigs, der es 1889 seinem ältesten Sohn Franz Ferdinand übergab.

Franz Ferdinand entschied sich ein Jahr später, aus Liebe eine nicht standesgemäße Ehe mit Sophie Gräfin Chotek, einer Hofdame aus böhmischem Adel, einzugehen. Damit musste er nicht nur dem Thronverzicht seiner Nachkommen zustimmen, sondern wusste auch, dass er nicht gemeinsam mit seiner geliebten Gemahlin in der Kaisergruft beigesetzt werden könnte. Um der Gräfin, der am Wiener Hof bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihr Rangunterschied deutlich gemacht wurde, diese Schmach zu ersparen, sorgte Franz Ferdinand vor: Bereits 1910 ließ er unter dem Chor der Schlosskirche eine Familiengruft errichten. Nur vier Jahre später fiel das Paar dem Attentat von Sarajewo zum Opfer, das als Anlass zur Entfesselung des Ersten Weltkrieges herangezogen wurde. Die Begräbnisfeierlichkeiten in Artstetten fielen bewusst bescheiden aus.

Wer heute die Familiengruft der Familie zu Hohenberg besucht, bekommt auf Anfrage einen großen Schlüssel in die Hand gedrückt, um auf eigene Faust die Ruhestätte besichtigen, in der auch die nachfolgenden Generationen der Familie bestattet wurden. Im Schloss selbst ist eine größere Ausstellung zum Leben Franz Ferdinands und seiner Familie untergebracht.

Sonja Schmöckel