1282–1790

Neuer Geist in alten Mauern: Die Klöster in der Barockzeit

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Die Missstände im Klosterwesen schrien zum Himmel: im 16. Jahrhundert schien es fast, als ob die alten, auf mittelalterliche Gründungen zurückgehenden Klöster am Ende stünden. Erst durch die Unterstützung der Habsburger wurde Österreich wieder zum "Klösterreich"

Die Habsburger sahen sich als Schutzherren der katholischen Kirche und leiteten daraus das Recht ab, das moralisch und infrastrukturell darniederliegenden Klosterwesen nach den Vorgaben der Gegenreformation zu reorganisieren.

Und es gab reichlich Handlungsbedarf: Die alten Orden der Benediktiner, Zisterzienser, Augustiner Chorherren usw. hatten ihre Führungsrolle im Bildungsbereich eingebüßt. Es herrschten doktrinäre Abweichungen im Ordensklerus, der den Lehren der katholischen Kirche zum Großteil eher indifferent gegenüberstand. Die ökonomischen Grundlagen der im Mittelalter reich mit Grundbesitz ausgestatteten Stifte waren zerrüttet, die Klostergüter durch Misswirtschaft in beklagenswertem Zustand. Am schlimmsten stand es jedoch mit der Disziplin innerhalb der Klostermauern: Landesfürstliche Kommissionen berichteten in ihren Visitationsprotokollen von Mönchen und Nonnen, die teils verheiratet, teils in wilder Ehe mit Kind und Kegel ein wenig gottgefälliges Leben führten.

Es dauerte Jahrzehnte, bis die Anforderungen des Reformkonzils von Trient auch wirklich umgesetzt werden konnten: es mangelte an gut ausgebildeten Ordensleuten, die den neuen Richtlinien entsprachen. Nur dank der massiven Unterstützung durch die Habsburger gelang es den Stiften, die lange Durststrecke zu überwinden.

Nachdem die Konsolidierung schließlich erreicht wurde, entstanden durch Umbauten der überkommenen mittelalterlichen Anlagen monumentale Klosterbauten wie die Stifte Melk, St. Florian oder Kremsmünster als Symbole wieder errungener Macht. Der barocke Bauboom nahm gigantische Ausmaße an, oftmals blieben die allzu ambitionierten Umbauprojekte wie in Göttweig oder Klosterneuburg halbfertig liegen.

Die habsburgischen Landesfürsten handelten bei ihrer tatkräftigen Unterstützung der Klöster jedoch nicht nur aus reiner Gottesfurcht. Zahlreiche Klöster und Stifte mit großem Grundbesitz hatten Sitz und Stimme in den Landtagen und waren ein nicht zu unterschätzender politischer Faktor, auf den sich der Landesfürst weit stärker verlassen konnte als auf den Adel. Und in Krisenzeiten, wenn die kaiserlichen Kassen wieder einmal leer waren, konnten die Habsburger mitunter auf kirchliches Vermögen zurückgreifen.

Die enge Verbindung der Klöster zu den habsburgischen Landesherren war in den Kaisertrakten und Kaisersälen ersichtlich, die nach den Klosterkirchen die aufwändigsten Teile einer barocken Klosteranlage bildeten. Diese Bereiche dienten nur vordergründig als Quartier für den Kaiserhof auf Reisen, vielmehr sollte dadurch symbolische Präsenz gezeigt werden: Die prachtvolle Ausstattung ordnete sich einem ideologischen Programm unter, das auf die Verherrlichung der Dynastie abzielte.

Martin Mutschlechner