Mehr Menschen – Bevölkerungswachstum in der Monarchie

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Verbesserte medizinische und hygienische Bedingungen und mehr Lebensmittel machten es möglich: Europa erlebte seit dem 18. Jahrhundert ein stetiges Bevölkerungswachstum.

Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten war das Bevölkerungswachstum der Habsburgermonarchie eher gering und setzte mit dem Ende des 18. Jahrhunderts erst spät ein. Während auf heutigem österreichischem Gebiet zu Beginn des 18. Jahrhunderts etwa zwei Millionen Menschen lebten, waren es am Ende des Jahrhunderts bereits drei Millionen. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es in ganz Europa zu einer regelrechten Bevölkerungsexplosion, was vor allem auf steigende Geburtenraten und sinkende Sterbebraten zurückzuführen war. In der Habsburgermonarchie konzentrierte sich das Wachstum besonders in Wien, wohin vor allem im 19. Jahrhundert immer mehr Menschen zogen. Auch wenn die Zahl der Versorgungskrisen mit Lebensmitteln im Laufe des 18. Jahrhunderts abnahm, kam es doch immer wieder zu Hungersnöten; besonders schwerwiegend in Europa waren jene 1709/1710 und zwischen 1770 und 1772. Verantwortlich war eine Nahrungsknappheit aufgrund schlechter Ernten oder Missernten durch Schädlinge, feuchte und kühle Sommer oder strenge Winter. Die wachsende Bevölkerung benötigte außerdem mehr Nahrung. Zu den klimatischen und demografischen Ursachen kam ein ökonomischer Faktor: Die ohnehin hohen Getreidepreise stiegen noch weiter an und verschärften damit die Versorgungskrisen zusätzlich. Besonders betroffen waren die ärmsten Bevölkerungsschichten, die aus der Not heraus Brot aus allerlei gesundheitsgefährdenden Substanzen zubereiteten. Maria Theresia und Joseph II. versuchten, der Hungersnot 1772 mittels Ankauf von Getreide aus Ungarn entgegenzuwirken.

Christina Linsboth