1755–1793

Marie Antoinette: Kindheit im Schatten der Politik

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Dank ihres Schicksals ist Marie Antoinette die weltweit bekannteste Tochter Maria Theresias. Sehr früh entschied sich, dass die Jüngste der Töchter im diplomatischen Meisterwerk der Mutter, der Allianz mit dem alten Feind Frankreich, eine bedeutende Rolle spielen sollte.

Maria Antonia Anna Josepha wurde am 2. November 1755 in Wien als fünfzehntes der 16 Kinder Maria Theresias und Franz Stephans von Lothringen geboren. Sie wuchs zu einem reizenden Mädchen heran, das jedoch bald als oberflächlich galt. Bereits im Alter von elf Jahren rückte die Erzherzogin in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, als feststand, dass sie die Gemahlin des französischen Thronfolgers werden sollte.

Die Verbindung sollte das Lebenswerk Maria Theresias, die Umkehr der Allianzen, krönen: Frankreich, der „Erzfeind“ der Habsburgermonarchie, wurde nun zu einem Bündnispartner im Kampf um die Vorherrschaft in Europa. Wie der Großteil der Kinder Maria Theresias wurde nun auch Marie Antoinette mit einem Bourbonen vermählt. Während jedoch ihre Geschwister mit Mitgliedern der verschiedenen Nebenlinien der französischen Dynastie, die in Spanien und Teilen Italiens herrschten, verheiratet wurden, sollte die jüngste Tochter nun an der Seite ihres zukünftigen Gemahls Königin von Frankreich werden: Der ihr zugedachte Gatte war der Dauphin (mit diesem Titel wurde der französische Thronfolger bezeichnet) Louis Auguste, ein Enkel des regierenden Königs Ludwig XV.

Marie Antoinette, deren geistige und körperliche Entwicklung nun von zahlreichen Beobachtern genau verfolgt wurde, erhielt eine entsprechende Erziehung, um am Hof von Versailles bestehen zu können. Ihr wurden französische Sprache und Geschichte, aber auch die Finessen des höfischen Benehmens beigebracht, wofür eigens Lehrer aus Frankreich angefordert wurden.

Im Frühjahr 1770 war es dann soweit: Die nunmehr 14-Jährige nahm Abschied von ihrer Familie und machte sich auf den Weg nach Frankreich. Ihre Hochzeit mit dem Dauphin war ein prunkvolles Fest, das das blutjunge Thronfolgerpaar bis an den Rand der physischen und psychischen Kräfte forderte. 

Martin Mutschlechner