Marie Antoinette als Königin von Frankreich

Josef Hauzinger: Marie Antoinette, Erzherzog Maximilian und Ludwig XVI., Öl auf Leinwand, um 1776

Am 10. Mai 1774 starb König Ludwig XV. überraschend an den Pocken. Die Zukunft der Monarchie lag nun in den Händen des jungen Thronfolgerpaares. Die Situation im Land war alles andere als günstig für einen Thronwechsel. Der neue König Ludwig XVI. übernahm eine Großmacht in der Krise, denn Frankreich war ökonomisch erschöpft und politisch geschwächt.

Josef Hauzinger: Marie Antoinette, Erzherzog Maximilian und Ludwig XVI., Öl auf Leinwand, um 1776

Louis Auguste nahm den Namen Ludwig XVI. an. Er war bei der Thronbesteigung 20 Jahre alt und mit der neuen Aufgabe überfordert. Persönlich zwar gewissenhaft und integer, war sein Wesen von Unschlüssigkeit und Schwerfälligkeit geprägt. Es fehlte ihm an selbstbewusstem Auftreten und königlicher Autorität.

Marie Antoinette, die junge Königin an seiner Seite, galt hingegen als „die Anmut selbst“: Charmant und jeder Abwechslung zugetan, die die starre Routine des Hoflebens auflockerte, wurde sie zu einer Trendsetterin in Sachen Mode und Lebensstil. Sie trieb einen enormen Aufwand in puncto Kleidung und Juwelen. Ihre Ausgaben für Vergnügungen hielten selbst die an Luxus gewohnte Versailler Hofgesellschaft in Atem.

Leichtfertig und diplomatisch ungeschickt protegierte sie offen ihre Favoriten und betrieb eine prononciert pro-österreichische Politik. L’ Autrichienne – die Österreicherin, wie sie in der zeitgenössischen Polemik genannt wurde, gab eine willkommene Zielscheibe für die allgemeine Kritik an den herrschenden Verhältnissen ab.

1777 erhielt Marie Antoinette Besuch von ihrem Bruder, Kaiser Joseph II., der als Mitregent Maria Theresias europaweit von fortschrittlichen Kreisen als Musterbeispiel eines aufgeklärten Herrschers gefeiert wurde. Joseph blieb zwei Monate, führte Gespräche mit seiner Schwester und seinem Schwager, bei denen es unter anderem um die brennende Frage nach dem ausbleibenden Nachwuchs ging. Zum Abschied übereichte er seiner Schwester eine 30-seitige Schrift, in der er Marie Antoinette vor den Folgen ihres leichtfertigen Verhaltens in der öffentlichen Meinung warnte: Ihr noch gefeierter jugendlicher Charme, dem man viel verzeihe, würde bald vergehen: was dann?

Ein weiteres Resultat des Besuchs des älteren Bruders war die in ganz Europa verbreitete Nachricht, dass die Ehe zwischen Marie Antoinette und Ludwig im August 1777 nach nun sieben Jahren des Zusammenlebens endlich vollzogen worden sei. Der genaue Grund für diese Verzögerung, der offensichtlich bei Ludwig lag, ist bis heute nicht restlos geklärt: Manche Biografen führen körperliche Ursachen an – Ludwig hätte demnach an einer Vorhautverengung gelitten, die nun operativ behoben worden war. Andere meinen psychologische Gründe einer extremen Gehemmtheit erkennen zu können.

Wie auch immer: 1778 gebar Marie Antoinette ihr erstes Kind, eine Tochter, die nach der Großmutter Marie Thérèse getauft wurde. Es sollten noch weitere Kinder folgen: 1781 erblickte der heiß ersehnte männliche Thronfolger das Licht der Welt: Louis Joseph verstarb jedoch bereits mit sieben Jahren an Knochentuberkulose. Die Thronfolge ging nun auf den zweitgeborenen Louis Charles, geboren 1785, über. Die jüngste Tochter, Marie Sophie, geboren 1786, starb noch im Säuglingsalter.

Martin Mutschlechner