Ferdinand von Tirol: Von Innsbruck nach Prag und retour

Jakob Seisenegger: Erzherzog Ferdinand von Tirol, 1548

Schloss Ambras

Ferdinand von Tirol ist vor allem als Gründer einer kurzlebigen Tiroler Nebenlinie der Habsburger und als Kunstmäzen bekannt. Seine enge Verbindung zu Böhmen wird daneben oft vergessen.

Jakob Seisenegger: Erzherzog Ferdinand von Tirol, 1548

Schloss Ambras

Geboren als viertes Kind von Erzherzog Ferdinand (als Kaiser ab 1558 Ferdinand I.) und der Jagiellonin Anna von Böhmen und Ungarn am 14. Juni 1529 in Linz, wuchs Ferdinand in Innsbruck auf, wohin der Hof seiner Eltern angesichts der Bedrohung Wiens durch die Osmanen (Erste Türkenbelagerung 1529) übersiedelt war. Später folgte er seinen Eltern nach Prag, wo sein Vater, der ab 1526 die böhmische Krone innehatte, Präsenz in diesem neu gewonnenen Königreich zeigen musste.

Mit Prag und Böhmen blieb der Lebensweg Ferdinands auch zukünftig verbunden, da er dort als Statthalter und Vertreter seines Vaters eingesetzt wurde. Ferdinand erhielt diesen Posten 1547, nachdem sein Vater eine Ständerevolte niedergeschlagen hatte. Damit war die Annahme verbunden, dass Ferdinand als Sohn der Erbtochter aus dem Haus Jagiello von den böhmischen Ständen bereitwilliger akzeptiert würde. Als Statthalter führte er in Prag eine überaus reiche Hofhaltung. Sein Hof diente als Plattform für das Zusammenwachsen der böhmischen Adelsgesellschaft mit dem habsburgischen Hofadel österreichisch-spanischer Herkunft.

Nach dem Tod des Vaters 1564 erhielt Ferdinand die Herrschaft über Tirol und Vorderösterreich, wie man den Streubesitz in Schwaben, dem Elsass und dem Allgäu zusammenfassend nannte. Ab 1567 residierte er in Innsbruck. In Tirol ist vor allem Schloss Ambras mit seinem Namen verbunden, wo er eine bedeutende Kunstsammlung aufbaute.

Ferdinands Landesherrschaft in Tirol war geprägt vom Konfessionsstreit: Es gelang ihm jedoch, in seinen Ländern die Stellung der Alten Kirche zu bewahren. Er ging mit großer Gewalt gegen „Ketzer“ vor, vor allem die Bewegung der Wiedertäufer wurde von ihm erbarmungslos verfolgt.

Er förderte die gegenreformatorischen Aktivitäten besonders mithilfe der bereits von seinem Vater ins Land gerufenen Jesuiten. Ferdinand selbst war der Gründer mehrerer katholischer Institutionen, wie z. B. des Damenstiftes in Hall oder der ersten Niederlassung des Kapuzinerordens nördlich der Alpen in Innsbruck (1593/94).

Ferdinand von Tirol starb am 24. Januar 1595 in seiner Innsbrucker Residenz unter Hinterlassung enormer Schulden. Begraben ist er in der von ihm erbauten Hofkirche in Innsbruck.

Martin Mutschlechner