Adel verpflichtet – adelige Karrieremuster

Fürst Anton Florian von Liechtenstein, Gemälde, 18. Jahrhundert

Fürst Karl von Liechtenstein, Gemälde, 1627

Hyacinth Rigaud: Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein, Gemälde, 1740

Der Dienst für Kaiser und Vaterland war für den Adel des Reiches Verpflichtung. Viele Führungsposten in Hof, Kirche und Militär waren für den Adel reserviert, wobei dank der hohen Geburt ein Einstieg in die oberen Ränge ohne das mühsame Durchlaufen der Hierarchien gesichert war.

Fürst Anton Florian von Liechtenstein, Gemälde, 18. Jahrhundert

Fürst Karl von Liechtenstein, Gemälde, 1627

Hyacinth Rigaud: Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein, Gemälde, 1740

Die prestigeträchtigsten Posten fanden sich in unmittelbarer Nähe zum Thron, wobei der Zenith einer adeligen Karriere mit der Ernennung zum Obersthofmeister, dem höchsten zu vergebenden Posten bei Hof, erreicht war. Inhaber dieses Postens galten als die engsten Vertrauten des Kaisers, als dessen Sprachrohr nach Außen und fungierten de facto als  Regierungschefs. Familien, die auf einen Obersthofmeister in ihren Reihen zurückblicken konnten, gehörten zum Olymp der Adelsgesellschaft.

Aber auch in den Verwaltungsapparaten der einzelnen Länder des Reiches bestand ein Monopol des Adels auf die höchsten Ämter. Um den Widerstand der Stände zu brechen, wurde der loyale Teil des Adels bei der Postenvergabe bevorzugt, wobei der um ihre widerspenstigen Teile beschnittenen adeligen Führungsschicht ein klar definierter Anteil an der Machtausübung zugewiesen und diese damit zu einem natürlichen Partner des Monarchen gemacht wurde. Selbst nach der Trennung von Hof und Staatsverwaltung unter Maria Theresia, als ein professionelles Staatsbeamtentum entstand, blieben manche prestigeträchtige Posten weiterhin Domäne des Adels.

Neben der adeligen Geburt spielte aber auch Geld eine wichtige Rolle. Aristokraten, die über reichen Besitz verfügten, standen viele Türen offen, denn manche Posten standen mehr oder weniger zum Verkauf. Die in den Adelsprivilegien erwähnten Verdienste um das Kaiserhaus konnten auch aus massiver finanzieller Unterstützung für das chronisch unter Geldmangel leidende Haus Habsburg bestehen. Es lässt sich durchaus eine gewisse Konvertierbarkeit von kaiserlichen Schulden in ersehnte Karriereschübe feststellen.

Auch diplomatische Missionen, bei denen großer Prunk entfaltet wurde, waren eine Domäne des finanzstarken Hochadels. Hier waren neben dem standesgemäßen Auftreten auch große finanzielle Ressourcen gefragt, denn an eine kostendeckende Refundierung der Ausgaben durch den meistens schwer verschuldeten Wiener Hof war nicht zu denken.

Der Dienst am Kaiserhaus bot aber auch die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg. In einigen Fällen eröffnete kaiserliche Huld auch einem fähigen Aufsteiger bürgerlicher Herkunft mit Geschick und Ehrgeiz den Weg zu Ruhm, Vermögen und einem klingenden Titel, denn der Kaiser revanchierte sich für geleistete Dienste in der Regel mit einer standesmäßigen Aufwertung. In der zeitgenössischen Sprache wurden diese aus kaiserlicher Machtvollkommenheit geschaffenen Konkurrenten des alten Adels als „Creaturen“ bezeichnet.

Martin Mutschlechner