La Boum II – die Fete geht weiter: Private Aufführungen der Kaiserkinder

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Eine musikalische und tänzerische Erziehung des Adels an den maßgeblichen europäischen Höfen zählte seit langem ebenso zur Selbstverständlichkeit wie Auftritte von Regenten und Regentinnen in symbolträchtigen Inszenierungen.

Auch die Kinder Maria Theresias wurden musikalisch ausgebildet, lernten alle Klavier spielen, die Buben zusätzlich Violine, die Mädchen erhielten Gesangsunterricht; dazu traten sie wiederholt als DarstellerInnen in Opern, Balletten und Theateraufführungen auf. Üblicherweise wurden für den Unterricht der Kaiserkinder sowie der Kinder des hohen Adels berühmte SängerInnen und TänzerInnen verpflichtet.

Doch nicht alle Mitglieder des Hofstaates waren mit der musikalischen und schauspielerischen Ausbildung der Kinder einverstanden. Obersthofmeister Fürst Khevenhüller-Metsch meinte abfällig, dass das Gemüt der Kinder „von denen seriösen Übungen abgehalten und die natürliche Neigung zu Lustbarkeiten und eitelen Amusements zu sehr excitiret wird“, wenn man „die junge Herrschafften schon so früh und fast vor allen anderen Occupationen zu dem Theatro appliciret“.

Die Vermählung Josephs II. mit seiner zweiten Frau, Maria Josepha von Bayern, bot 1765 den Anlass für eine Reihe von Festvorstellungen in Schloss Schönbrunn, die ausschließlich von Mitgliedern des kaiserlichen Hauses und AristokratInnen bestritten wurden. Maria Theresias Kinder schenkten ihrem Bruder und dessen Gemahlin eine Aufführung der Operette „Il parnasso confuso“ von Christoph Willibald Gluck in der Salle de bataille, dem heutigen Zeremoniensaal. Fürst Khevenhüller-Metsch schwärmte in seinem Tagebuch von dieser Aufführung: „Es war auch dieses in der That und sans flatterie eines der sehenswürdigsten [Spectacles], so villeicht noch an einem Hof auffgeführet worden […]“

Die Erzherzoginnen Maria Josepha, Maria Elisabeth und Maria Karolina stellten drei Musen, Maria Amalia den Apoll dar. Das Libretto stammte vom italienischen Poeten Pietro Antonio Metastasio (1698–1782), den bereits Karl VI. an den Wiener Hof geholt hatte und der noch unter Maria Theresia bestimmend für die Texte an den Wiener Hoftheatern war. Er beklagte sowohl die strengen zeremoniellen Kostümvorschriften für die Kinder, die es im Rollenentwurf zu berücksichtigen galt, als auch die knapp bemessene Vorbereitungszeit.

Ebenfalls im Rahmen des Hochzeitsfestes zu sehen: die drei jüngsten Kinder im Ballett „Il trionfo d’amore“ – Ferdinand und Maria Antonia, die spätere Marie Antoinette, gaben das Schäferliebespaar, Maximilian mit Engelsflügeln am Rücken den Liebesgott Amor.

Julia Teresa Friehs