Eine musikalische Familie

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Freude an Musik, Tanz und Schauspiel prägte die Habsburger von Jugend an – Maria Theresia bildete da keine Ausnahme.

Karl VI. veranstaltete in den Hoftheatersälen mehrmals im Jahr aufwendige festliche Opernaufführungen – obwohl die Staatsfinanzen bedrohlich im Sinken begriffen waren. Er machte Vorstellungen des Hochadels zur Mode, wobei immer wieder seine Töchter Maria Anna und Maria Theresia mitwirkten. An den Geburts- und Namenstagen des Kaiserpaares standen ihre Kinder in Balletten und Theaterstücken vor einem ausgewählten Publikum auf der Bühne. 1732 führten die heranwachsenden Erzherzoginnen gemeinsam mit den Hofdamen „zum Wohlgefallen der Eltern auf einem eigens hierzu erbauten Theatro“ in einem Saal der Hofburg eine italienische Komödie auf.

Nicht nur Bälle und andere Feste am Kaiserhof, sondern auch sämtliche Theateraufführungen in Wien mussten sich am Kirchenjahr orientieren. Während der Fastenzeiten fanden keinerlei derartige Vergnügungen statt, auch am Freitag gab es keine „Comedie“. Bei Todesfällen in der Kaiserfamilie musste eine Trauerzeit eingehalten werden, während der Feste und Theaterspiele untersagt waren.

Neben den zuvor dominierenden italienischen Dirigenten setzte sich der aus der Steiermark stammende Barockmeister Johann Joseph Fux (1660–1741) durch. Er war der Musiklehrer Karls VI. und hatte ab 1711 das einflussreiche Amt des Musikdirektors des Hofes und „Hofcompositeurs“ inne. Karl VI. komponierte selbst und dirigierte auch Werke anderer vom Klavier aus – über sein Können äußerte sich Kapellmeister Fux begeistert: „O, es ist schade, daß Eure Majestät kein Virtuose geworden sind.“

Die beiden Töchter Karls VI. sangen. Auf Wunsch der Mutter führten sie 1735 im Spiegelzimmer der Hofburg eine „Operetta“ auf: „Kayserliche Hof- und Kammermusici“ begleiteten die Erzherzoginnen Maria Theresia und Maria Anna, „die auswendig gesungen und agiret haben“.

Maria Theresia bevorzugte zeitlebens die italienische Musik. 1771 schrieb sie an ihre Schwiegertochter Maria Beatrix zwar anerkennend über ein Requiem des alten Hofkapellmeisters Georg Reutter, des Lehrers von Joseph Haydn, meinte aber, dass sie „den geringsten Italiener allen heimischen Compositeuren vorziehe, sowohl dem Gassmann, Saglieri, Gluck und anderen. Sie können hie und da einmal ein und das andere gute Stück machen, aber für das Ensemble ziehe ich immer die Italiener vor.“

 

Julia Teresa Friehs