Eine private Bühne: Das Theater im Schloss Schönbrunn

Druckversion

Die Aufführungen der kaiserlichen Familie und der Hofgesellschaft erhalten einen entsprechenden Rahmen: Auf ausdrücklichen Wunsch Maria Theresias erhält Schloss Schönbrunn ein eigenes Theater.

Den 4. wurde der Namenstag des Kaisers mit großer Gala begangen und die Botschaffter zum Kirchgang und Taffeldienst geladen […] Abends aber wurde von den Damen und Cavalliers eine Comédie in dem neuen Theatro zu Schönbrunn produzieret, le dissipateur genannt, mit drei Balleten untermischet […]. Zum Schluß machte Ertzherzog Joseph in frantzösischer Kleidung ein Compliment en vers francais, so die Fürstin Trautson componieret und in sich sehr schön ware.

Fürst Khevenhüller-Metsch über die Eröffnung des Schönbrunner Schlosstheaters am 4. Oktober 1747.

Am 4. Oktober 1747, zum Namenstag des Kaisers, öffnete das Schönbrunner Schlosstheater seine Pforten. Es entwickelte sich zum beliebten Haustheater des habsburgischen Hofes und bot ihm eine Bühne: Die SchauspielerInnen und TänzerInnen der im Schönbrunner Schlosstheater aufgeführten Ballette gehörten fast ausnahmslos der kaiserlichen Familie, der Hofgesellschaft und dem hohen Adel an.

Im Entwurf Fischer von Erlachs für Schloss Schönbrunn war kein Theater vorgesehen. Das Gebäude wurde zwischen 1743 und 1747 im Zuge des Ausbaus des Schlosses durch Nicolaus Pacassi auf ausdrücklichen Wunsch Maria Theresias errichtet. Es wurde nicht regelmäßig bespielt, sondern nur zu politischen und familiären Anlässen. Das Schlosstheater war allein Hoffähigen zugänglich, der Zutritt zu den Vorstellungen streng geregelt – gelegentlich wurde jenen Hofleuten, die die Mitglieder des Kaiserhauses noch nicht spielen gesehen hatten, der Eintritt gewährt.

Die Sitzplätze der kaiserlichen Familie befanden sich im Schlosstheater im Parterre des Zuschauerraums. Nach einem Umbau 1766/67 wechselten die „allerhöchsten Herrschaften“ von der ersten Reihe im Parterre in eine erhöhte Mittelloge – so hatten sie eine bessere Sicht auf das Geschehen auf der Bühne sowie eine bessere Akustik, zudem waren sie von dort aus nicht mehr für alle sichtbar. Maria Theresia nutzte diesen Umstand, um auch während der Vorstellungen jederzeit Audienzen geben zu können.

Im 18. Jahrhundert entsprach eine Theatervorstellung keineswegs heutigen Erwartungen an einen Theaterbesuch: Während der Aufführungen herrschte ein Kommen und Gehen, das Publikum sprach laut und lachte, es wurde sogar gegessen und getrunken. Die Rezeption von Theater- und Musikaufführungen als disziplinierter ästhetischer Genuss setzt erst im 19. Jahrhundert ein.

Nach dem Tod ihres Mannes erlosch jedoch Maria Theresias Freude am „Spectacle“. Selten besuchte sie Vorstellungen und wandte sich schließlich gänzlich vom Theater ab. Das Schönbrunner Schlosstheater wurde ab diesem Zeitpunkt kaum noch als Aufführungsstätte benutzt, in den letzten Jahren der Monarchie diente es als Möbellager.

Julia Teresa Friehs