Innsbruck – Residenz mit Alpenblick

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Die Erwerbung Tirols 1363 brachte den Habsburgern ein Gebiet von enormer strategischer Bedeutung in den Alpen ein. Besonders im 15. und 16. Jahrhundert war Innsbruck ein bedeutender Schauplatz habsburgischer Geschichte, weshalb die Dynastie hier deutliche Zeichen ihrer Präsenz hinterlassen hat.

Die reiche Grafschaft Tirol war im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit im Besitz von Nebenlinien des Hauses Habsburg. Herzog Friedrich IV. war der erste Habsburger, der dauerhaft im Land residierte. Er machte 1420 Innsbruck zu seiner Residenzstadt. Friedrich galt als volkstümlicher Herrscher, der in Tirol ein strenges Regiment auf Kosten des Adels führte. Sein Spottname „Friedl mit der leeren Tasche“ stand im Widerspruch zu seinem enormen Reichtum, den er dem florierenden Silberbergbau in Schwaz verdankte. Sein Sohn Sigmund wurde, schon eher den Tatsachen entsprechend, „der Münzreiche“ genannt. Sigmund führte in Innsbruck einen glänzenden Hof: Auf ihn geht der großartige spätgotische Ausbau der Innsbrucker Hofburg zurück. Ohne legitime Nachkommen – er soll es aber laut Legende auf 50 außereheliche Kinder gebracht haben – übergab er seine Länder noch zu Lebzeiten an Maximilian I. und damit zurück an die habsburgische Hauptlinie.

Kaiser Maximilian I. diente Innsbruck als verkehrstechnisch ideal gelegenes Sprungbrett zu den neu erworbenen Territorien aus der Burgundischen Erbschaft: Der seinen Machtbereich nach Westeuropa expandierende Habsburger bevorzugte deshalb Innsbruck als Residenz und hinterließ einige prägende Baudenkmäler, u. a. das Goldene Dachl, welches als eine Art Hofloge mit bester Sicht auf den Hauptplatz der Stadt zum Wahrzeichen Innsbrucks wurde. Sein Grabdenkmal in der Hofkirche gilt als eines der künstlerisch bedeutendsten Werke der Renaissancekunst in Mitteleuropa. In Tirol werden die dunklen, als ewige Wache das Kenotaph umstehenden Bronzefiguren, die die Ahnenreihe des Kaisers symbolisieren, volkstümlich etwas despektierlich die „Schwarzen Mander“ genannt.

Unter Erzherzog Ferdinand II. von Tirol war Innsbruck dann wieder kurzfristig Sitz einer Nebenlinie. Dieser Habsburger, der mit seiner bürgerlichen Gattin Philippine Welser in zunächst geheimer Ehe lebte, wird vor allem mit Schloss Ambras oberhalb der Stadt in Verbindung gebracht, wo er eine Kunst- und Wunderwelt der Spätrenaissance entstehen ließ.

Im 17. Jahrhundert wurde Innsbruck dann zum Schauplatz der ehrgeizigen Machtspiele einiger nachgeborener Söhne der Dynastie: Erzherzog Leopold V., ein Sohn Erzherzog Karls von Innerösterreich, war eigentlich für eine kirchliche Laufbahn bestimmt und wurde Bischof von Passau und Strassburg, ohne jedoch die priesterlichen Weihen erhalten zu haben. Politisch sehr ambitioniert, wollte er sich zu einem souveränen Landesfürsten aufschwingen und drängte auf eine Linienteilung innerhalb der Dynastie. Schließlich bekam er Tirol und die Vorlande zugesprochen. Er legte seine geistlichen Würden ab und heiratete Claudia von Medici, der Innsbruck den ersten festen Theaterbau (genannt „Dogana“) im deutschen Sprachraum verdankte.

Der aus dieser Ehe stammende Erzherzog Sigismund Franz war wie sein Vater als zweitgeborener Sohn für kirchliche Laufbahn bestimmt. Nachdem sein Bruder Ferdinand Karl jedoch ohne männlichen Erben verstorben war, kehrte er in den weltlichen Stand zurück und plante eine Heirat, vor deren Schließung er jedoch verstarb. Tirol fiel an die Hauptlinie zurück, unter deren Herrschaft es bis zum Ende der habsburgischen Monarchie verblieb.

Im Glanz einer barocken Hofhaltung erstrahlte Innsbruck ein letztes Mal anlässlich der Hochzeit von Erzherzog Peter Leopold – des späteren Kaisers Leopold II. – mit Infantin Ludovica von Bourbon-Spanien im Jahre 1765. Die Feierlichkeiten wurden jedoch vom Tod Kaiser Franz Stephans überschattet, der während einer Theateraufführung einem Schlaganfall erlag. Zu seinem Andenken ließ Maria Theresia sein Sterbezimmer in eine Kapelle umbauen und gründete das Adelige Damenstift. Diese Institution war eine Art Versorgungsanstalt für unverheiratet gebliebene Töchter aus adeligem Haus. Unter einer Vorsteherin – deren erste war Maria Theresias Tochter Erzherzogin Maria Elisabeth – sollten zwölf Stiftsdamen ein klosterähnliches Leben führen und für das Seelenheil des verstorbenen Kaisers beten.

An diesen tragischen Todesfall in der Familie Habsburg erinnert auch die Triumphpforte. Ursprünglich als imperiales Denkmal für die dynastische Hochzeit gedacht, wurde sie nach dem Tod Franz Stephans mit Trauermotiven ergänzt und diente somit auch dem Andenken an den verstorbenen Kaiser.

Martin Mutschlechner