Wiener Neustadt – die "Allzeit getreue"

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Der wichtige Industriestandort und Verkehrsknotenpunkt im Süden Niederösterreichs kann sich rühmen, einmal kaiserliche Residenzstadt gewesen zu sein. Kaiser Friedrich III. machte Wiener Neustadt zu seiner Lieblingsresidenz.

Wiener Neustadt, eine Gründung der Babenberger, gehörte im Mittelalter zur Steiermark. Friedrich III., der aus der steirischen Linie der Habsburger stammte, kann zu Recht als  zweiter Gründer der Stadt bezeichnet werden: Unter ihm erfuhr Wiener Neustadt einen enormen Aufschwung.

Er gab Wiener Neustadt den Vorzug als Residenz, da er in Wien mit größtem Widerstand vonseiten der Bürgerschaft konfrontiert war. An die Loyalität der Wiener Neustädter  Bürgerschaft erinnernd nannte sich die Stadt nun die “Allzeit getreue”. Ab dem Zeitpunkt seiner Krönung 1452 bis zu Friedrichs Tod 1493 war Wiener Neustadt die offizielle Residenz des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches.

Um die neue Bedeutung der Stadt zu unterstreichen, wurden zahlreiche Zeichen gesetzt. Unter anderem wurde die alte babenbergische Stadtburg ausgebaut. Als bedeutendstes Baudenkmal der Zeit Friedrichs III. im Bereich der Burg gilt die Georgskirche mit der berühmten  Wappenwand. Weiters ließ Friedrich, um das Ansehen der Stadt zu erhöhen, 1469 Wiener Neustadt zum Bischofssitz erheben. Eine Miniaturdiözese entstand, die nur die Stadt selbst umfasste. Die ehemalige Stadtpfarrkirche (“Liebfrauenkirche”) wurde nun Kathedrale und erfuhr eine aufwändige Ausgestaltung.

Eine weitere Stiftung Friedrichs war das Neukloster, ein für den Zisterzienserorden ungewöhnliches Stadtkloster, in dem seine Gattin Eleonore von Portugal begraben ist. Der erhaltene Grabdeckel gehört zu den bedeutendsten Kunstwerken der Spätgotik in Österreich. An allen auf seine Initiative zurückgehenden Bauten ließ Friedrich sein persönliches Symbol, den Schriftzug AEIOU, anbringen.

1487 wurde Wiener Neustadt von Friedrichs Erzfeind Matthias Corvinus erobert, Friedrich war gezwungen, seinen Hof nach Linz zu verlegen, wo er 1493 starb.

Unter seinem Sohn Maximilian I., der 1459 hier geboren wurde, verlor Wiener Neustadt den Status einer kaiserlichen Residenz wieder. Dennoch findet man hier das Grab des “letzten Ritters” (und nicht in Innsbruck, wo sich sein Grabdenkmal mit den berühmten “Schwarzen Mander” befindet): Als Zeichen der Demut bestimmte er, dass seinem Leichnam die Zähne ausgebrochen und die Haare abgeschert werden sollten. Bestattet wurde er direkt vor dem Hauptaltar der Georgskirche in der Burg, sodass der die Messe zelebrierende Priester auf seiner Brust zu stehen käme.

Martin Mutschlechner