Franz Josephs Krönung zum König von Ungarn

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Der Ausgleich mit Ungarn schuf die Österreichisch-Ungarische Doppelmonarchie. Erst jetzt wurden Franz Joseph und Elisabeth in Budapest zum ungarischen Königspaar gekrönt.

Mit noch etwas unsicherer Rechtschreibung erzählte der knapp neunjährige Kronprinz Rudolf in seinem Schulheft von der Krönungszeremonie in der Matthiaskirche in Budapest. Hier wurden Franz Joseph und Elisabeth am 8. Juni 1867 vom ungarischen Ministerpräsidenten Graf Andrássy und dem Primas der katholischen Kirche mit der Stephanskrone zum König und zur Königin von Ungarn gekrönt: „In der Kirche waren viele Magnaten und Ofiziere, dann fing die Musik an und der Primas und viele katholische und griechische Bischöfe und sehr viele andere Priester. Dann kam Papa und Mama. Mama setzte sich auf eine Art von Tron und Papa gieng zum Altar, wo viel Lateinisch gelehsen wurde (…) Nachher ertönten die Pauken und Andrássy und der Primas setzten dem Papa die Krone auf. Dann bekam Papa den Reichsapfel und das Szepter in die Hand.“

Durch die Niederlagen in Italien 1859 und gegen Preußen 1866 war Franz Josephs Position innerhalb der Monarchie beträchtlich geschwächt worden. Dies zwang den Kaiser zu einem raschen Kompromiss mit den Vertretern Ungarns, für den sich auch seine Gattin Elisabeth stark gemacht hatte. Franz Joseph stimmte 1867 dem Ausgleichsplan zu, der die Wiederherstellung traditioneller Rechte und der Eigenständigkeit der Ungarn einforderte und die alte ungarische Verfassung aus der Zeit vor der Revolution von 1848 wieder in Kraft setzte. Franz Joseph war nun in Personalunion zugleich König von Ungarn und Kaiser von Österreich, die beiden Reichshälften wurden aber mit dem Ausgleich zwei formal selbstständige und ebenbürtige Staaten.

Als Krönungsgeschenk erhielt das Königspaar das Barockschloss Gödöllö. Etwas anders als der kleine Rudolf, nämlich in seinem Prunk als nicht mehr zeitgemäß, empfand der Schweizer Gesandte die Zeremonie: „Der ganze Zug machte trotz seiner Pracht und wirklichen Großartigkeit auf den unbeteiligten Zuschauer doch etwas den Eindruck eines Faschings(mummen)schanzes (…) Dieses Stück Mittelalter paßt nun nicht einmal in unsere Zeit.“ Der Gesandte bemerkte zudem die Ironie der Krönung Franz Josephs durch Graf Andrássy: „Es gewährte einen höchst eigentümlichen Eindruck zu sehen, wie der Mann, dessen Todesurteil Kaiser Franz Joseph 1849 unterschrieben hatte und dessen Name in Pest an den Galgen geheftet wurde, jetzt nach achtzehn Jahren die Krone auf das Haupt des Monarchen setzte, dessen höchstes Vertrauen er heute genießt.“

Stephan Gruber