Schloss Gödöllö – Landsitz des ungarischen Königspaares

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Aus Anlass der Krönung Elisabeths und Franz Josephs zu Königin und König von Ungarn schenkte Graf Gyula Andrássy im Namen des ungarischen Volkes dem Herrscherpaar Schloss Gödöllö als Landsitz. Dass Elisabeth dort mehr Zeit verbrachte als in Wien, sorgte für Eifersüchteleien seitens der Österreicher.

Die Schenkung des Sommerschlosses nahe der ungarischen Hauptstadt war eine große Geste der Dankbarkeit des ungarischen Volkes gegenüber Elisabeth für ihren Einsatz in den Verhandlungen um den ungarisch–österreichischen Ausgleich und die anhaltenden Sympathiebekundungen der Königin gegenüber den Magyaren. Elisabeth hatte bereits zuvor den Wunsch, das eine Wegstunde von Budapest entfernt gelegene Schloss für sich zu nutzen; Franz Joseph hatte den Erwerb des Schlosses jedoch aus finanziellen Gründen abgelehnt. Nun bekam Elisabeth 1867 auf Initiative des Grafen schließlich einmal mehr, was sie wollte und dankte es den Ungarn mit ihrer häufigen Anwesenheit in Gödöllö – sehr zum Missfallen des Wiener Hofes. Das Wiener Tagblatt kritisierte sogar die Geringschätzung der österreichischen Reichshälfte durch die Kaiserin. Man bekäme den Eindruck, „daß jede Unterbrechung des Residierens in der Hauptstadt Ungarns, dass jeder zeitweilige Aufenthalt in Wien von der kaiserlichen Familie wie eine Art Verbannung empfunden werde“.

Das Sommerschloss Gödöllö wurde bereits Mitte des 18. Jahrhunderts im Auftrag von Graf Anton I. Grasalkovich, dem Präsidenten der ungarischen Kammer und Vertrauten Maria Theresias, als Ruhesitz gebaut. Für die Nutzung Gödöllös durch Franz Joseph und Elisabeth wurden Appartements im Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet. Elisabeth ließ das Schloss mehrmals nach ihren Wünschen umbauen, wobei die originalen Säle dabei weitgehend unverändert blieben. Während die Räume Franz Josephs mit den typisch imperialen roten Textiltapeten ausgestattet wurden, wählte Elisabeth eine ihrem persönlichen Geschmack entsprechende Veilchenfarbe. Die weitere Einrichtung sorgt für eine eher familiäre Atmosphäre: Bilder an den Wänden zeigen Franz Joseph bei der Jagd und Elisabeth bei ihrem liebsten Hobby, dem sie in Gödöllö leidenschaftlich nachging - dem Reitsport. Sie umgab sich dort auch gerne mit teilweise nicht hoffähigen Freunden sowie mit Familienmitgliedern und verbrachte viel Zeit mit ihrer jüngsten Tochter Marie Valerie. Der Abstand zum Wiener Hof und dem dort herrschenden Zeremoniell kam Elisabeth entgegen; doch auch Franz Joseph wusste Gödöllö als Rückzugsort zu schätzen und empfing hier sogar seine Freundin Katharina Schratt.

Das Schloß verfiel nach dem Zweiten Weltkrieg zusehends, diente als Soldatenquartier, später als Altersheim und Notunterkunft. In den 1980er Jahren wurde mit der Restaurierung begonnen; heute wird Schloss Gödöllö als Museum und Veranstaltungsort genutzt.

Sonja Schmöckel