Die Strauß-Dynastie – ein Familienunternehmen

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Johann Strauß Vater und Sohn machten den Wiener Walzer weltberühmt. Der 1867 erstmals aufgeführter Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß Sohn gilt als heimliche österreichische Nationalhymne.

Gute Nacht Lanner! Guten Abend Strauß Vater! Guten Morgen Strauß Sohn!

Dies bemerkte der Humorist Franz Wiest am 19. Oktober 1844 in der Tageszeitung „Der Wanderer“.

Der junge Strauß gewinnt täglich mehr die Gunst des Publikums. Seine Kompositionen gefallen, sein Vortrag derselben wird stets mit Applaus aufgenommen.

So äußerte sich Adolf Bäuerle, der Herausgeber der „Wiener Allgemeinen Theaterzeitung“, kurz nach dem Debüt von Johann Strauß Sohn.

Johann Strauß Sohn studierte, ehe er sich 1843 entschied, Musiker zu werden. Sein Entschluss zog einen Zwist im Hause Strauß nach sich. Im Juli 1844 richtete er ein Ansuchen an den Wiener Magistrat, „daß er als Musik Director seinen Erwerb suchen wolle“. Anfang September erhielt er trotz einer ablehnenden Intervention seines Vaters die Bewilligung, als Musikdirektor eine Kapelle zu leiten. Bereits sein Debüt am 15. Oktober 1844 in Dommayer’s Casino war eine Sensation. Während sein Vater eine traditionelle Besucherschicht ansprach, gewann Strauß Sohn die Jugend und nationale Minderheiten für sich, die er mit Werktiteln wie „Serben Quadrille“ oder musikalischen Anspielungen auf Nationaltänze anzusprechen versuchte.

Nach dem Tod seines Vaters 1849 – kurz zuvor hatten sich die beiden ausgesöhnt – legte Johann Strauß die Orchester zusammen. 1852 übernahm er die Musik bei den Kammerbällen. Er bemühte sich um den Posten des „k. k. Hofballmusik-Direktors“, den bereits sein Vater innehatte, doch wurde er immer wieder abgelehnt, auch wegen seines Verhaltens während der Revolution 1848, bei der er sich mit seinen Werken auf die Seite der Aufständischen gestellt hatte. Mit zahlreichen Widmungskompositionen an die kaiserliche Familie, wie dem „Kaiser Franz Joseph I. Rettungs-Jubel-Marsch“, den Strauß als Reaktion auf das missglückte Attentat auf den jungen Kaiser komponierte, oder dem Walzer „Myrthen-Kränze“ anlässlich der Vermählung Franz Josephs mit Elisabeth, versuchte er, den Hof gewogen zu stimmen. 1862 war es dann endlich so weit: Strauß erhielt den ersehnten Titel, das Kaiserhaus konnte sich mit dem Namen des berühmten Musikers schmücken.

Als begehrter Walzermusiker trat Strauß – wie zuvor schon sein Vater – an einem Abend oft bei unterschiedlichen Veranstaltungen auf. Konzertreisen führten ihn nach London, Italien, Amerika und Russland. Die mehrfachen Belastungen gingen auf Kosten seiner Gesundheit, daher übernahm sein Bruder Josef vertretungsweise das Orchester. Nach dem Tod Josefs 1870 folgte Eduard Strauß als Leiter der Kapelle, die Konkurrenz von billigeren Militärmusikkapellen und anderen Tanzmusikkomponisten erhielt. Johann widmete sich fast ausschließlich der Operettenkomposition und schuf die bis heute bekannten und oft gespielten Operetten „Die Fledermaus“ (1874), „Eine Nacht in Venedig“ (1883) und „Der Zigeunerbaron“ (1885).

Julia Teresa Friehs