Wienerische Maskeraden

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Als „Wirt und Wirtin vom schwarzen Adler“ verkleidet tanzten Maria Theresia und Franz I. Stephan von Lothringen bei den Wienerischen Maskeraden – unerkannt blieben sie dabei selten.

Maria Theresia und Franz Stephan selbst kamen „zum öfftern nach dem Bal-Haus, um die Mascheren zu sehen und waren nie so content, al wann sie sich also verstellet, daß man sie nicht kennte, wie wollen es Ihnen selten gelungen; sonderlich wurden sie an Ihrer hurtig und freien Démarche gar bald erkannt.

In einem Tagebucheintrag vom 7. Jänner 1743 beschreibt Fürst Khevenhüller-Metsch die Teilnahme des Kaiserpaares an einer „Maschere“ (Maskerade).

Beim „Gesamtkunstwerk“ Barockfest kamen die unterschiedlichen Künste zum Einsatz. So auch das Ballett, das schon zu Zeiten Leopolds I. und Karls VI. zur höfischen Kunst gehörte. Die Tanzlust war besonders im Karneval groß: „Tantz, Redoute, Pasterella, Tantz in Masquera, italienische Comedia“ boten Unterhaltung, zur Erholung mussten sogar Rasttage eingeschoben werden.

Tanz nahm im gesellschaftlichen Leben einen wichtigen Platz ein: Maria Theresia tanzte selbst Menuette und liebte die Wienerischen Maskeraden. Sogenannte „Pauernhochzeiten“ boten die Möglichkeit, eine „verkehrte Welt“ zu realisieren: Das Kaiserpaar empfing die Gäste als „Wirt und Wirtin vom schwarzen Adler“, Maria Theresia stellte 1730 eine niederösterreichische Bäuerin dar. Die Gäste erschienen in Verkleidungen als untere Volksschichten, wie Köche oder Dienstboten, oder als Trachtenpaare unterschiedlicher Nationalitäten; auch exzentrischere und exotische Kostümierungen als Römer, Perser, Türken oder „Sklaven“ kamen zum Einsatz.

Der Hochadel veranstaltete zahlreiche Bälle und Tanzfeste in den eigenen Palais oder in der Mehlgrube, einem öffentlichen Tanzsaal auf dem Neuen Markt, der als Ballsaal dem Adel vorbehalten war. Einen Höhepunkt dieser Festivitäten stellte ein Harlekinsmaskenball am 17. Februar 1744 dar: 33 Paare, als Arlequins und Arlequinnes verkleidet, fanden sich in einem abgedunkelten Saal in Schönbrunn ein und suchten PartnerInnen für den Abend. Anschließend fuhren sie auf Hofwagen ins Ballhaus und feierten schließlich bis in die Früh in der Mehlgrube.

Im Fasching 1743 hatte Maria Theresia für Hoffeste Maskenfreiheit gewährt – eine Novität am Habsburgerhof. Allerdings galt diese ausschließlich für die „hohe Noblesse“, wie Fürst Khevenhüller-Metsch berichtete. In der Mehlgrube musste ohne Verkleidung getanzt werden. Die Maskierung, so Khevenhüller-Metsch, bot Liebesintrigen und Avancen Vorschub. Tatsächlich war es bei Faschingsveranstaltungen zu Ausschweifungen und Ausschreitungen gekommen – selbst Morde geschahen unter dem Schutz der Maske. Daher war allen Ständen, auch dem Adel, unter Androhung strengster Strafen das Tragen von Masken auf der Straße untersagt worden. Insbesondere in den unteren sozialen Schichten sollten so Sicherheit gewährt und politische Verschwörungen verhindert werden.

Julia Teresa Friehs