Die grausame Endphase des Krieges

Druckversion

Mit dem Kriegseintritt Frankreichs ging der Dreißigjährige Krieg in seine schrecklichste Phase. Er sollte noch 13 Jahre dauern.

In diesem Monath ist auch der Römische Keyser Ferdinandus Secundus gestorben, hat in seinem Regiment nicht eine eintzige friedliche Stunde erlebet, sondern seine gantze Zeit mit grausamen jemmerlichen Kriegen zugebracht. Darüber viel Million Tausend unschuldiger Christen Blut umb Leib und Leben, Haab, Ehre und Guth kommen, ja gantz Teutschland zugrunde ruiniret worden.

Der gräfliche Hofrat Volkmar Happes in seiner Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg über den Tod Ferdinands II. im Februar 1637

Frankreich unterstützte schon in den 1620er Jahren die Gegner des Kaisers finanziell und diplomatisch. Die französische Politik wurde von Armand-Jean du Plessis de Richelieu, besser bekannt als Kardinal Richelieu, bestimmt. 1635 erklärte der französische König Ludwig XIII. dem spanischen König Philipp IV. den Krieg. Es ging ab nun um die europäische Vorherrschaft: Frankreich wollte die Macht der beiden habsburgischen Linien in Spanien und Österreich aufbrechen. Diese längste und schrecklichste Phase des Dreißigjährigen Krieges dauerte noch bis 1648, gekämpft wurde in ganz Europa.

Die ursprünglich religiösen Motive waren mit Fortdauer des Krieges nebensächlich geworden: Der Hauptgegner der Habsburger, Frankreich, war katholisch. Die Söldner, etwa in Wallensteins Heer, entstammten allen Konfessionen. Söldner machten einen großen Teil der Heere aus. Sie kämpften zunehmend nur mehr für Geld und Beute – für wen und welches Ziel, war zweitrangig. Das letzte Jahrzehnt des Krieges war hauptsächlich ein Zerstörungs- und Beutekrieg – ein Kampf jeder gegen jeden. Kriegsentscheidende Schlachten fanden nicht mehr statt. Die Bevölkerung litt unter Plünderungen, Brandschatzungen und Vergewaltigungen.

Ferdinand III. erbte diese chaotische Situation von seinem Vater Ferdinand II., der 1637 starb. Die Eigendynamik des Krieges bedingte, dass sich die Friedensverhandlungen in den 1640er Jahren lange zogen. Unterstützt wurde der neue Kaiser von seinem jüngeren Bruder, Erzherzog Leopold Wilhelm: Dieser erhielt 1645 den Oberbefehl über die kaiserliche Armee. Er hatte damit eine ähnliche Machtfülle wie der neun Jahre zuvor ermordete Wallenstein. Leopold Wilhelm war Bischof von Passau, Straßburg, Halberstadt, Olmütz und Breslau. Nach dem Krieg wurde er Statthalter in den Niederlanden.

1645 zogen schwedische Truppen in das nördliche Niederösterreich: Die Städte Krems und Stein kapitulierten nach langer Belagerung, weiter donauabwärts wurde Wien bedroht. In dieser Situation erwies sich Erzherzog Leopold Wilhelm als Retter von Wien: Er eroberte mit seinen Truppen im Mai 1645 die Wolfsschanze in der Brigittenau zurück, die Schweden zogen wieder ab. Der Krieg endete schließlich, wo er begonnen hatte: Die Schweden stürmten und plünderten Prag, konnten die Stadt aber nicht einnehmen. Gleichzeitig wurde einige hundert Kilometer weiter westlich endlich der Westfälische Friede unterzeichnet.

Stephan Gruber