Antonio Canova: Theseus besigt den Kentauren Phereus, Marmorskulptur, Aufnahme um 1875

Habsburgischer Denkmalkult

oder: Wer ist erinnerungswürdig?

1800–1938

Wenig erinnert an die Menschen, die die Habsburgermonarchie bevölkerten – umso mehr dafür an jene, die sie beherrschten. Die ‚Erinnerungsmacht‘ gebührt den ‚Großen‘, den ‚Helden‘, den Männern. Feldherren und Herrscher als Hüter der Ordnung und Bewahrer der Tradition dominieren die offizielle Denkmalskunst der späten Habsburgermonarchie. Auch Bauwerke reflektieren den konservativen Trend: Im Rückgriff auf die Antike sollen die widerstrebenden Kräfte gebannt werden. Doch auch das aufstrebende Bürgertum will erinnern und erinnert werden. Die Ringstraße entpuppt sich als Schauplatz eines Kampfes um Definitionsmacht: Die Bauten und Denkmäler, die diese Straße säumen, symbolisieren einerseits den Machtanspruch des Herrscherhauses, andererseits den zunehmenden Einfluss der Bürgerschaft.

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